Klinische Fallbeschreibung

Eine 48-jährige Patientin benötigte eine vollständige Rehabilitation im Ober- und Unterkiefer. Eine schwere Parodontitis hatte über die Jahre zum Verlust meh­rerer Zähne geführt (Abb. 1 und 2).

Die klinische und radiologische Untersuchung zeigte, dass keiner der verbleibenden Zähne erhalten bleiben konnte. Wir schlugen daher eine implantatgetragene Versorgung mit Sofortbelastung im Unterkiefer und mit Spätbelastung im Oberkiefer vor, da wir trotz der Regeneration nicht der Meinung waren, dass das notwendige quantitative und qualitative Knochenangebot für eine Sofortbelastung im Oberkiefer gegeben war. Die Patienten war Raucherin (20 Zigaretten pro Tag) und wurde daher instruiert, das Rauchen schrittweise zu reduzieren, um das Risiko des Scheiterns der Implantatbehandlung zu verringern (Abb. 3 und 4).

Während der dreimonatigen Einheilphase erhielt die Patientin zur Wiederherstellung der korrekten Bisshöhe und intermaxillären Beziehungen bei geeigneter Funktionsfähigkeit und Ästhetik zwei herausnehmbare Prothesen. Außerdem erhielt sie ein Muskel- und Okklusionstraining, da durch den Zahnverlust die vertikale Dimension verringert war, was Kiefergelenkprobleme verursachte und zu einer mangelnden Koordination von Kondylus und Diskus führte.

Aufgrund der hohen ästhetischen Erwartungen der Patientin sollte die definitive Versorgung aus Keramik sein, was die Überlegungen in Richtung traditionelle symmetrische Implantatverteilung lenkte, um angulierte Implantate im vorhandenen Knochen zu vermeiden, die bei der Restauration mehr Freiendglieder erfordert hätte. Wir entschieden uns daher für eine Rehabilitation auf sechs Implantaten, jeweils an den Positionen der seitlichen Schneidezähne, ersten Prämolaren und ersten Molaren.

Nach einer eingehenden Untersuchung mit Panorama-Röntgenbildern und digitaler Volumentomografie wurde für den Ober- und den Unterkiefer die Implantation unter intravenöser Sedierung geplant, die beide am gleichen Tag ­erfolgen sollten. Im Unterkiefer wurden sechs Implantate mit einem Drehmoment von 40 bis 50 Ncm eingesetzt und die Vario-SR-Abutments (Abb. 5 und 6) aufgeschraubt. Es wurde ein Kofferdam zur Isolierung des Weichgewebes und der Nähte angelegt (Abb. 7), das Provisorium auf Höhe der Implantate aufgebohrt und mit Tokuso Resin Hardener unterfüttert (Abb. 8). Im Oberkiefer wurde ein Lappen gebildet und gleichzeitig mit einer bilateralen Sinusbodenaugmentation die sechs Implantate symmetrisch verteilt inseriert; die Einheilung erfolgte gedeckt (Abb. 9 bis 12). Das Provisorium wurde unterfüttert (Abb. 13). Die Kontrollröntgenaufnahmen erfolgten nach drei Monaten (Abb. 14 und 15). Nach der Integration der Oberkieferimplantate sechs Monate nach der Insertion startete die zweite chirurgische Phase entsprechend unserer Standardtechnik für die Sofortbelastung .

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung BDIZ EDI konkret, Ausgabe 4/2015, ab Seite 64): 

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Prof. Dr. Marco Finotti
Padua/Italien