Implantatinfraposition
Implantatinfraposition – das Problem beim Implantieren, wenn der Kiefer noch wächst. © Att

Implantate bei Kindern und Jugendlichen sind umstritten. Das Problem: Der Alveolarfortsatz wird ausgebildet vom Wachstum der bleibenden Zähne. „Ankylosierte  Zähne bzw. Implantate, die in der Wachstumsphase gesetzt werden, wachsen nicht mit, die Länge der Schneidekante und das Emergenzprofil im marginalen Bereich entsprechen nicht mehr dem des kontralateralen Zahns“, bringt es Dr. Jan Tetsch, Münster, auf den Punkt. Er plädiert für das Implantieren bei Jugendlichen nach Frontzahntrauma. „Die späteren Korrekturen der Prothetik sind mit einfachen Mitteln möglich“, unterstreicht er. Und das Problem „Infraposition“ löst er mit der „modifizierten Buser-Regel 3“.

Gibt es ein Mindestalter für Implantate? Nur in den allergrößten Ausnahmefällen ist eine Implantation vor dem zwölften Lebensjahr in Erwägung zu ziehen“, stellt Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, Kassel, klar. Die Prognose sei schlecht, die Osseointegration funktioniere mangelhaft und das Kieferwachstum sei noch enorm. Doch anschließend könne man unter Abwägung von Vor- und Nachteilen Implantate setzen, sagt Terheyden, und so geht er auch in seiner Kasseler Klinik vor.

Datenlage ist mangelhaft

Die wissenschaftliche Datenlage auf diesem Gebiet lasse allerdings zu wünschen übrig, sagt Dr. Karl-Ludwig Ackermann, Filderstadt.  Der Defekt nach dem frühen Zahnverlust bzw. der Nichtanlage lasse sich nach dem Implantieren so klein wie möglich halten, meint er. Abwarten sei kontraproduktiv, weil das Knochenwachstum infolge der Nichtaktivität durch Belastungsmomente in die „Inaktivitäts-Atrophie“ übergehe. „Insofern ist die Implantation für mich immer das erste Mittel der Wahl.“

Für einen noch späteren Implantationszeitpunkt als 18 Jahre plädiert Prof. Dr. Wael Att. Der Oberarzt an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universitätsklinik Freiburg und Leiter des Postgraduiertenprogramms implantiert Männer grundsätzlich erst ab 23 Jahren, Frauen erst ab einem Alter von 26 Jahren. In diesem Alter reduziere sich das Kieferwachstum auf ein Minimum.

Quelle: DENTAL MAGAZIN 6/2016

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.