PD Dr. Moritz Kebschull, Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, Universitätsklinikum Bonn © PD Dr. Moritz Kebschull

Die meisten Zähne im Erwachsenenalter gehen durch Parodontitis verloren. Daher sind sehr oft Patienten mit einer Parodontitis-Vorgeschichte von einer Implantatversorgung betroffen, obwohl wir heute aufgrund von starken Verbesserungen vor allem im Bereich der antiinfektiösen und regenerativen Therapie viele Zähne länger erhalten können. Als letztes großes Problem in der Parodontologie haben sich die zum Teil noch nicht befriedigenden Therapieoptionen bei furkationsbefallenen Molaren, insbesondere im Oberkiefer, herausgestellt. Daher wurde in der Vergangenheit von einigen Autoren empfohlen, solche Zähne frühzeitig zu entfernen und durch Implantate zu ersetzen. Aber ist eine solche Empfehlung vor dem Hintergrund der vorliegenden Evidenz wirklich sinnvoll?

Leider erleben wir in zunehmendem Maße das Auftreten von biologischen Komplikationen an dentalen Implantaten – die Prävalenz einer Periimplantitis wurde in einer aktuellen Meta-Analyse mit etwa 22 Prozent berechnet. Bei Patienten mit der Vorgeschichte einer (behandelten) Parodontitis ist das Risiko für das Auftreten einer Periimplantitis gegenüber einem Patienten, der seine Zähne aufgrund von Trauma oder Karies verloren hat, nochmals deutlich erhöht. Dies gilt nach ersten Ergebnissen aus kleineren Studien wohl insbesondere für Patienten mit rapide verlaufenden Formen der Parodontitis, so etwa einer aggressiven Parodontitis.

Aufgrund der bekannten hohen Inzidenz von nur unzureichend klinisch zu managenden biologischen Komplikationen an Zahnimplantaten bei Patienten mit der Vorgeschichte einer behandelten Parodontitis scheint es heute geboten, anstelle der von einigen Kollegen propagierten raschen Extraktion parodontal geschädigter Zähne, insbesondere der Molaren, zunächst einen ernsthaften Versuch des Zahnerhalts zu unternehmen. Eine Implantation kann im Sinne dieses sequenziellen Vorgehens dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Der Beitrag ist in teamwork, Ausgabe 6/2017, Seite 436, erschienen.

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Dr. Moritz Kebschull PD
Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, Universitätsklinikum Bonn