Einleitung

Die Weisheitszähne nicht eingeschlossen, sind Nichtanlagen der bleibenden Zähne mit einer Prävalenz von 1,6–6,9 % ein häufiges Krankheitsbild in der Zahnheilkunde [1]. Insbesondere multiple Aplasien der permanenten Dentition sind häufig mit ausgeprägten Atrophien des Alveolarkamms assoziiert [5]. Die kaufunktionelle Rehabilitation solcher Fälle ist aufgrund der Komplexität des klinischen Ausgangsbefunds auf einen interdisziplinären Behandlungsplan angewiesen [1, 5]. Nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung, die im Regelfall bereits zum Zeitpunkt der Diagnosefindung im Kindesalter beginnt [1], entscheidet die prothetische Planung über den weiteren Therapieverlauf. Ist eine implantologische Versorgung der von der Aplasie betroffenen Kieferkammbereiche geplant, ist in der Regel eine Augmentation vor Implantatinsertion notwendig [5]. Die Ausprägung der Atrophie korreliert zumeist mit der Zahl der Nichtanlagen im Kieferbereich. Entstehendurch die Aplasie weitspannige Schaltlücken, sind dort die stärksten Atrophien zu beobachten. Der vorliegende Fall beschreibt die Therapie einer Oligodontie bei einem jungen gesunden Patienten mit dem Fokus auf dem augmentativchirurgischen Therapieabschnitt innerhalb des langjährigen interdisziplinären Behandlungsverlaufs.

Fallbericht

Ein ansonsten gesunder 26-jähriger Patient stellte sich in unserer interdisziplinären Sprechstunde mit multiplen Nichtanlagen und z. T. persistierenden Milchzähnen mit dem Wunsch nach einem festsitzenden Zahnersatz vor. Analog zum klinischen Befund zeigte die radiologische 3D-Diagnostik eine ausgeprägte, vor allem horizontale Atrophie im Bereich der Nichtanlagen (Abb. 1). Zu diesem Zeitpunkt war der Patient alio loco bereits kieferorthopädisch vorbehandelt. Im Rahmen der prothetischen Vorbehandlung wurde zuerst bei mangelndem anteriorem interokklusalem Abstand eine Bisshebung mit dem provisorischen Zahnersatz vorgenommen. Nach Abschluss der prothetischen Vorbehandlung wurde die Augmentation des alveolären Knochendefizits im Unterkiefer mittels eines CAD/CAM-gefertigten patientenspezifischen Titangitters (Yxoss, ReOss, Filderstadt, Deutschland) durchgeführt. Dafür erfolgten auf der Basis der DICOM-Daten des präoperativen DVTs die Analyse des knöchernen Defizits und die Planung des individuellen Titangitters. Über die 3D-Rekonstruktion der bestehenden Defektgeometrie wurde virtuell das benötigte Knochenvolumen aufgelagert und darüber das Titangitter designt (Abb. 2). Über eine krestale bzw. marginale Schnittführung erfolgte die Bildung eines vollschichtigen Muko periostlappens nach vestibulär und lingual (Abb. 3). Über die Kontaktflächen zum Unterkieferknochen ließ sich das Titangitter intraoperativ zuverlässig positionieren und zeigte eine hohe Übereinstimmung mit der präoperativen Planung (Abb. 4). Das Titangitter wurde mit einer partikulären Mischung (70:30) aus autologer Beckenkammspongiosa und einem xenogenen Knochenersatzmaterial (BioOss, Geistlich, Baden- Baden, Deutschland) beladen (Abb. 5). Anschließend wurde das Gitter mit 3 Miniosteosyntheseschrauben am Unterkiefer fixiert (Abb. 6). Das Gitter wurde abschließend mit PRF(Platelet-Rich Fibrin) biologisierten porkinen Kollagenmembranen (Bio Gide, Geistlich, Baden-Baden, Deutschland) abgedeckt (Abb. 7–8). Im postoperativen Verlauf zeigte sich eine für diese Augmentationsmethode typische Komplikation. Nach circa 4 Wochen entwickelte sich eine krestale Schleimhautdehiszenz über dem Titangitter mit partieller Freilegung der Gitterstruktur (Abb. 9). Durch lokale Maßnahmen (Spülung und CHX-Gel-Applikation) bei der engmaschigen Nachsorge konnte die Komplikation gut beherrscht werden, ohne dass es zu nennenswerten Beschwerden für den Patienten kam. …

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung ZZI, Ausgabe 4/2018, ab Seite 330): 

 

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Dr. Dr. Eik Schiegnitz
Kawe Sagheb
PD Dr. Dr. Keyvan Sagheb
PD Dr. Stefan Wentascheck MSc