Frage zum Patientenfall

Wie präzise ist die Planung mittels rein digitaler Abformung in Kombination mit einem gematchten DVT?

Dr. Manfred Nilius: Bei der In-vivo-Umsetzung der vorangegangenen In-vitro-Operation konnten wir feststellen, dass die Genauigkeit in der abdrucklosen Abformung in Kombination von Intraoralscan und DVT sehr präzise ist und eine gute Planungsgrundlage bietet.
Die Antwort, ob der ausgewählte Implantatkörper für die Extraktionsalveole nun der richtige gewesen ist beziehungsweise eine primäre Stabilität aufweist, haben wir als intraoperative Komplikation erfahren. Trotz umfangreicher Vorausplanung und Voroperation in vitro können Unwägbarkeiten auftreten, die der Chirurg während der Operation ausgleichen muss. Somit bleibt das chirurgische Know-how ein wichtiger Erfolgsfaktor – selbst, wenn vorab eine digitale Probefahrt durchgeführt wurde.

Patientenbefunde

Die 35-jährige Patientin stellte sich mit dem Wunsch nach Behandlung des frakturierterechten mittleren Oberkiefer-Schneidezahns 11 in unserer Praxis vor. Der Zahn war circa sechs Jahre zuvor wegen eines Frontzahntraumas wurzelgefüllt und in der Folge mit einer Metallkeramikkrone ohne Stiftaufbau versorgt worden. Die Fraktur der Krone war infolge eines ausgedehnten zervikalen Kariesdefekts eingetreten. Röntgenologisch war aufdem Zahnfilm ein wolkige Verschattung im periapikalen Bereich des Zahns erkennbar, die auf ein Überpressen des Wurzelfüllmaterials zurückzuführen war (Abb. 1). Als Nebenbefund konnten wir auf dem digitalen Volumentomogramm (DVT) eine periapikale Aufhellung mit Verdacht auf eine radikuläre Zyste beim ebenfalls wurzelgefüllten Zahn 22 feststellen (Abb. 2). In regio 11 und 22 lagen zum Zeitpunkt der Untersuchung keine klinischen Symptome oder Beschwerden vor. Die Patientin war bei Diagnosestellung im fünften Monat schwanger. Sie war Nichtraucherin und hatte keine chronischen Erkrankungen. Es lag ein konservierend und prothetisch versorgtes Gebiss vor. Mit einem Plaque-Index (API) von < 25,0 Prozent, einem Pflegegrad (OHI) von 1 und keinem Blutungsindex (BOP) war eine sehr gute Mundhygiene gegeben.

Therapieplanung

In Absprache mit der Patientin und nach eingehender Beratung über Behandlungsalternativen entschlossen wir uns – trotz der überkronten Nachbarzähne – nicht für eine konventionelle Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz, sondern für eine Implantattherapie. Aufgrund des dicken Biotyps, einer relativ guten Knochendichte von 550 bis 650 Hounsfield Units (HU) und der guten Knochenqualität (D2 nach Lekholm und Zarb) waren gute Voraussetzungen für eine Sofortversorgung mit einem Implantat und eine Sofortbelastung gegeben [11]. Die Sofortimplantation führt laut Ergebnissen von neueren systematischen Übersichtsarbeiten zu einem Erhalt des Alveolarfortsatzvolumens und eignet sich gut zur Versorgung des ästhetisch anspruchsvollen Oberkiefer- Frontzahnbereichs [4,15]. Die Implantatüberlebensraten nach Sofortimplantation scheinen sich auch nicht wesentlich von denen bei konventioneller Implantation im ausgeheilten Kieferknochen zu unterscheiden [1]. Allerdings sind die Aussagen zum Outcome nach Sofortimplantation in der Literatur nicht einheitlich. So wird unter anderem von häufigeren Komplikationen [8,13] und höheren Verlustraten [5] nach Sofortimplantation im Vergleich zur Implantatinsertion im ausgeheilten Knochen berichtet. Auch ein Erhalt des Alveolarfortsatzvolumens durch die Verhinderung der physiologischen Modellations- und Remodellationsprozesse nach Zahnextraktion wird nicht uneingeschränkt gestützt [6].

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung teamwork, Ausgabe 2/2019, ab Seite 137): 

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Dr. Dr. Manfred Nilius MSc