Implantationen im atrophierten Kiefer

In Standardfällen erfolgt die Implantatinsertion in den ortsständigen Knochen und die Implantate heilen unter der Schleimhaut ein. Dieses Knochenlager kann aber durch eine Atrophie reduziert sein, wobei das periimplantäre Knochenlager keine ausreichende Dimension für ein langzeitstabiles Ergebnis zeigt [5]. Besonders im Unterkieferseitenzahnbereich kann die Kortikalis sehr stark ausgeprägt sein, sodass die Ernährung des periimplantären Knochenlagers nicht gegeben ist und besonders eine dünne vestibuläre knöcherne Abdeckung schnell resorbiert. Dies führt zunächst zu einer erhöhten Sondierungstiefe mit dem Risiko einer periimplantären Mukositis, die sich unbehandelt zu einer Periimplantitis mit einem fortschreitenden Knochenverlust entwickeln kann. Je nach Konfiguration des Alveolarfortsatzes kann sich der Knochenabbau stabilisieren, wenn an der Basis des Implantats das Knochenangebot eine ausreichende Breite zeigt. Meistens ist dann aber das Weichgewebe nicht mehr fixiert, sodass es durch die mobile Schleimhaut besonders von lingual zu rezidivierenden Entzündungen kommt [1].

Materialauswahl

Bei reduziertem Knochenangebot werden vor oder parallel zur Implantation augmentative Verfahren empfohlen. Neben den Operationstechniken unterscheiden sich diese Verfahren vor allem in der Art des Materials, mit der das Lumen aufgefüllt wird. Die Verwendung von autologem Material erfordert in der Regel eine zweite Operationsstelle, in der das Knochentransplantat entnommen wird. Je nach anatomischen Verhältnissen und dem Umfang der Kieferkammrekonstruktion kann das Material vorzugsweise aus dem retromolaren Bereich des Unterkiefers, manchmal auch vom Oberkiefer oder der Kinnregion entnommen werden [7]. Während die retromolare Entnahme im Unterkiefer relativ komplikationsarm durchführbar ist, kann es im Kinnbereich zu Sensibilitätsausfällen kommen oder die Menge im Oberkiefer ist sehr gering [7]. Für umfangreiche Rekonstruktionen empfiehlt sich die Entnahme am Beckenkamm [16]. Damit die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit und die postoperative Belastung so gering wie möglich ist, sollten nur monokortikale Streifen aus der Innenseite der Beckenschaufel entnommen werden [10]. Es liegen zwar Daten für eine geringere postoperative Belastung bei einem posterioren Zugang vor, dies bedeutet aber eine Umlagerung des Patienten während der Narkose, die wiederum mit Risiken verbunden ist [11]. Die größte Einschränkung der Verwendung von autologem Knochen aus dem Bereich des Beckenkamms stellt aber der operative Eingriff dar, der in einer Klinik meist unter stationären Bedingungen durch einen Facharzt für Chirurgie oder Mund-Kiefer Gesichtschirurgie erfolgen muss.

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung BDIZ EDI konkret, Ausgabe 2/2018, Seite 77-82): 

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Dr. Frank Kistler
Dr. Steffen Kistler
PD Dr. Jörg Neugebauer
Univ.-Prof. Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller