Dass Zirkoniumdioxidimplantate gut osseointegrieren und das Material eine gute Weichgewebeverträglichkeit zeigt, belegen mittlerweile zahlreiche experimentelle Studien. Bekannt ist zudem, dass sich an Zirkoniumdioxid weniger Biofilm anlagert als an Titan. Im Vergleich zu farblich dunkelgrauen Titanimplantaten können keramische Implantate unter Umständen – möglicherweise in der Langzeitbetrachtung – ästhetische Vorteile bieten. Wir verwenden in unserer Praxis auf Wunsch einzelner Überweiser und/oder Patienten Keramikimplantate – in erster Linie für die Versorgung von Einzelzahnlücken im Front- sowie Seitenzahnbereich und für festsitzenden Zahnersatz auf dreigliedrigen Brücken (autark implantatgetragen). Der Fall beschreibt die klinische Anwendung eines zweiteiligen, reversibel verschraubten Keramikimplantats (CERALOG Hexalobe Implantat/CAMLOG) im Frontzahnbereich.

Ausgangssituation

Als der 56-jährige Patient zu uns überwiesen wurde, waren die Zähne 11 und 12 bereits (alio loco) extrahiert (Abb. 2). Sie waren nach einer endodontischen Vorbehandlung mit begleitender WSR stark geschädigt und nicht mehr erhaltungswürdig (Abb. 1). Der Patient trug als Interimslösung eine herausnehmbare Valplast-Prothese. Er wünschte eine Implantattherapie. Eine konventionelle prothetische Lösung ohne Implantate war mit erhöhtem Aufwand verbunden, da der Patient bereits prothetisch mit einer festsitzenden Brücke von 21 bis 23 versorgt (Abb. 3) war. Diese hätte für eine konventionelle Lösung mit einer zirkulären Brücke von 23 auf 13 entfernt werden müssen. Das lehnte der Patient ebenso ab wie eine herausnehmbare Prothetik.

Im Rahmen der Beratung wurden dem Patienten die Versorgungsmöglichkeiten mit Titan- und Keramikimplantaten sowie die möglichen Vor- und Nachteile vorgestellt. Da er medizinisch ganzheitlich orientiert war, entschied er sich explizit für die metallfreie Variante. Wir verwenden heute bei Kasuistiken mit begleitenden Augmentationen (hier GBR) das zweiteilige, reversibel verschraubbare Zirkoniumdioxidimplantat CERALOG Hexalobe (CAMLOG); denn eine geschlossene konventionelle Einheilung sehen wir als zwingende Voraussetzung für ein sicheres Behandlungsergebnis. Die Möglichkeit der Reversion und die Flexibilität bei der prothetischen Komponentenauswahl entsprechen annähernd dem gewohnten Standard der Titanimplantate. Und: Dieses Keramikimplantat wird optional zur Titanabutmentschraube mit einer Goldabutmentschraube angeboten.

Lesen Sie hier kostenlos den vollständigen Fallbericht als pdf-Datei (Erstveröffentlichung DENTAL MAGAZIN 02/2018, S. 44-47):

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Dr. Alexander Volkmann
Fachzahnarzt für Oralchirurgie. Er studierte Zahnmedizin in Jena und ist niedergelassen in eigener Praxis in Jena und Eisenach.