Patientenindividuelle allogene Knochenblöcke gewinnen klar an Akzeptanz. Wann sind sie indiziert?

Smeets: Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Eine entscheidende Rolle spielen die Weichgewebsdicke, die Weichgewebsmobilisierung, die postoperative Versorgung und klinische Risikofaktoren wie etwa das Rauchen. Dazu kommen die Passgenauigkeit, die Defektlokalisation sowie biologische und klinische Limitationen.

Was bedeutet das in der Praxis?

Buchbinder: Beginnen wir mit der Passgenauigkeit: Jede individuelle Planung ist nur so gut wie die Daten, auf denen diese beruht. Die Voraussetzung dafür sind eine klare Abgrenzung von Hart- und Weichgewebe und eine einheitliche Defektoberfläche. Schwierigkeiten bei der Passung sind daher bei relativ frischen Defekten mit Gewebe in der Heilung (schwacher Mineralisierungsgrad) und zerklüfteten Defektoberflächen zu erwarten. Auch braucht der Knochenblock ein vitales und stabiles Empfängerbett, sodass insbesondere in der Maxilla größere Perforationen hin zur Kieferhöhle zu Schwierigkeiten führen.

Nun zu den klinischen und biologischen Limitationen: Bei den zu erwartenden Dimensionsveränderungen des Kieferkamms spielt die Erfahrung des behandelnden Chirurgen eine große Rolle. Während in der Horizontalen eine Verbreiterung von 5–6 mm in der Regel mehr als ausreichend ist, um ein suffizientes Implantatlager zu gewinnen, braucht es bei vertikalen Defekten viel Fingerspitzengefühl: Die meisten Anwender können bis zu 3 mm vertikal relativ vorhersagbar beherrschen. Darüber hinaus spielen, wie Prof. Smeets schon erwähnte, Weichgewebsdicke und dessen Mobilisierung, postoperative Versorgung und Risikofaktoren wie beispielsweise das Rauchen eine entscheidende Rolle.

Verstehe ich das richtig: Ein vitales Empfängerbett ist ein Muss?

Buchbinder:
Ein vitales Empfängerbett erleichtert vieles, es ist aber nicht immer zu realisieren. Je nach Hersteller stellen minder durchblutete Empfängerstellen gemäß Gebrauchs- und Fachinformation entweder eine Kontraindikation dar, oder es wird auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Abwägung des Einsatzes durch den Chirurgen hingewiesen.

Smeets: Mein Konzept ist es, den Knochen zum Anfrischen monokortikal anzubohren. Das ist zwar in der Literatur nicht klar belegt, in der Praxis aber äußerst erfolgreich.

Lesen Sie hier kostenlos den vollständigen Expertenzirkel als pdf-Datei (Erstveröffentlichung DENTAL MAGAZIN 01/2018, S. 6-20):

Hier finden Sie die Literaturangaben zum Expertenzirkel:

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mm
Redakteurin Medizin Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag, Schwerpunkte: Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, digitale Zahnheilkunde.