Zusammenfassung

Während man noch vor einigen Jahren von Kontraindikationen bei Vorliegen von Allgemeinerkrankungen sprach, so ist dieser Begriff einer Risikoabwägung gewichen. Es gilt den möglichen Gewinn an Lebensqualität gegen mögliche Risiken abzuwägen. Dabei kommen Komplikationen der Grunderkrankung eine höhere Bedeutung zu, als der in Studien oft untersuchte Implantatverlust. Eine adäquate Planung und Aufklärung des Patienten über die spezifischen Risiken und Therapiealternativen sind unumgänglich. Damit kommt der gezielten Anamnese und gemeinsamen Entscheidungsfindung, gerade bei Risikopatienten, eine besondere Rolle zu.

Einleitung

Der demographische Wandel ist eine der zentralen Herausforderungen unseres Berufes, der sich in der täglichen Praxis zeigt. Mit zunehmendem Patientenalter findet sich erwartungsgemäß auch eine Zunahme der Risikofaktoren, wobei in der „großen Chirurgie“ das Alter selbst einen unabhängigen Risikofaktor für perioperative Mortalität darstellt [27]. In der Implantologie geht zwar Alter allein nicht mit einer schlechteren Implantatprognose einher [20], trotzdem bedarf nicht nur die Implantatprognose unsere Aufmerksamkeit, sondern auch mögliche Folgen für den Allgemeinzustand des Patienten [1]. Beispielsweise kann eine, durch eine implantologische Maßnahme ausgelöste, Blutungskomplikation für den kompromittierten Patienten vital bedrohlich werden. Der Patient unter Bisphosphonatmedikation betrachtet das mögliche Auslösen einer Knochennekrose sicherlich als relevanter als die Frage der Implantatprognose. Gerade bei Patienten mit Allgemeinerkrankungen ist daher das Abwägen allgemeiner Risiken gegenüber dem Gewinn an Lebensqualität ein zentraler Aspekt ärztlicher Fürsorge. Die Frage, ob Implantate bei einer bestimmten Allgemeinerkrankung einheilen, ist zwar wichtig, aber mit Blick auf die Grunderkrankung keinesfalls zentral.

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Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas