Zusammmenfassung 

Allogener Knochentransfer zur präimplantologischen Augementation des Alveolarfortsatzes wird von der Mehrheit der Kollegenschaft noch sehr kritisch gesehen. In diesem Zusammenhang gelten Infektionsrisiko und potenzielle Antigenität als Begründung gegen dessen Anwendung bei nonvitalen Elektiv-Operationen. Dabei werden allerdings die inzwischen gesetzlich nach Arzneimittelgesetz (AMG) vorgeschriebenen Sicherheitsstandards nicht hinreichend gewürdigt. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist das infektiöse und immunologische Restrisiko als äußerst gering einzuschätzen. Zudem bestehen noch Unsicherheiten über die unterschiedlichen Produktlinien des „allogenen Angebotes“. Am Beispiel Peressigsäure sterilisierter Alloknochen wird der aktuelle Stand allogener Knochentransplantate hinsichtlich Sicherheitsstandards, rechtlicher Einordnung sowie Herstellungs- und Sterilisationsverfahren dargestellt und auf die nicht unerheblichen methodischen Vorteile hinsichtlich Verfügbarkeit und Adaption an den defizitären Alveolarfortsatz verwiesen. Nach unserer Einschätzung muss das Allotransplantat im Vergleich zum avaskulären Autotransplantat als klinisch äquivalent und verfahrenstechnisch weit überlegen gelten. Daraus ergeben sich für implantologisch-augmentative Verfahren zusätzliche Optionen mit Minderung des operativen Aufwands.

Einleitung

Wesentliche Vorteile von allogenen Knochentransplantaten liegen in der gebrauchsfertigen Bereitstellung einer den klinischen Bedürfnissen entsprechenden Gewebezubereitung, einer weitgehend unbegrenzten Verfügbarkeit und verfahrenstechnischen Vorteilen im Vergleich zu Autografts (OP-Zeit, Entnahmemorbidität, limitiertes Volumen). Sie bieten zusätzlich standardisierte Voraussetzungen für die Transplantatadaptation sowohl für Schalentechniken als auch für Blocktransfer-Prozeduren (präoperative Figuration via CAD/CAM-Techniken). In diesem Zusammenhang ist auf die Limitationen intraoral gewonnener Transplantate hinsichtlich Volumen und Kontur hinzuweisen.

Aufbereiteter (prozessierter) allogener Knochen entspricht in seiner morphologischen Grundstruktur dem autologen Material, ist aber durch Fehlen von Zellen und im Fall von DBM nichtkollagener Knochenmatrix gekennzeichnet und wirkt biologisch trotz des Nachweises von Wachstumsfaktoren weitgehend als osteokonduktives Gerüst [17, 24, 47]. Seine klinische Effektivität ist bislang durch Fallserien und prospektive Longitudinalstudien mit guten Ergebnissen belegt, wenngleich Follow-up und Evidenz noch als begrenzt einzuschätzen sind [2, 23, 46]. Die Datenlage ist zusätzlich durch unterschiedliche Techniken und Topografien sowie differente allogene Produkte bzw. Aufbereitungen unübersichtlich.

Allotransplantate im Zusammenhang mit implantologischen Rehabilitationen werden derzeit in Deutschland im Gegensatz zum amerikanischen Schrifttum noch kontrovers diskutiert. Infektionsrisiken, Antigenität sowie Irritationen über verfügbare Knochenzubereitungen und deren Herstellung stehen bei der Ablehnung für ein Verfahren ohne vitale Indikation im Vordergrund und nehmen fast „weltanschaulichen Charakter“ an. Aufgrund eigener langjähriger sehr positiver Erfahrungen mit Allotransplantaten mit einem validierten chemischen Sterilisationsverfahren (Peressigsäure/Ethanol) diskutiert der vorgelegte Beitrag ausschließlich die Sicherheitsstandards von Peressigsäuresterilisierten Knochentransplantaten. Damit soll die Qualität anderer Verfahren oder Produkte (Tab. 1) nicht infrage gestellt werden. Die Wertung der klinischen Ergebnisse mit Allotransplantaten im Sinne einer Literaturübersicht sowie die Darstellung der eigenen Erfahrungen bleiben einem späteren Beitrag vorbehalten [9].

Lesen Sie den vollständigen Artikel kostenlos als PDF-Datei (Erstveröffentlichung ZZI 3/2016, Seite 224-232):

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Elmar Esser, Jan C. Brune, Axel Pruß