Zusammenfassung

Die Idee der metallfreien oralen Rehabilitation etabliert sich zunehmend im zahnärztlichen Praxisalltag. Seit etwa zehn Jahren ist es möglich, zuverlässig metallfrei zu rekonstruieren – vom Einzelzahn bis zur implantologischen Komplettversorgung. Es sind Hochleistungskeramiken für Kronen und Brücken verfügbar und etwa vergleichbar lang werden Keramikimplantate in spezialisierten Zahnarztpraxen eingesetzt. Ihr großer Vorteil liegt in der verbesserten Ästhetik und Bioverträglichkeit. Sie zeigen eine mit Titanimplantaten vergleichbare Erfolgsquote.

Implantate aus Zirkonoxid werden industriell mit Oberflächen unterschiedlicher Rauigkeiten versehen. Diese Rauigkeiten von ein bis zwei Mikrometer ermöglichen die Osseointegrationseigenschaften von Implantaten aus Zirkonoxid [1]. In aktuellen wissenschaftlichen Studien an Minischweinen durch die FSU Jena konnten diese Ergebnisse bestätigt werden [2]. Moderne Zirkonoxide erreichen Festigkeitswerte, die den zu erwartenden Kaubelastungen widerstehen. Als Biegefestigkeit wird der Widerstand bezeichtet, den ein Material bei Biegung bis zu seinem Bruch entgegenstellt. Titan erreicht hierbei eine Biegefestigkeit von zirka 400 MPa. Bei thermogehipptem Zirkon­oxid beträgt der Wert etwa 1200 MPa. Untersuchungen zur Ermüdungsfestigkeit (fatigue strength) zeigten, dass die Werte von Implantaten aus Zirkonoxid bis zu 30 Prozent höher liegen als bei Titan­implantaten gleichen Durchmessers. In vitro Alterungsversuche (30 Jahre Alterungstest) von Implantaten aus Zirkonoxid haben Bruchfestigkeiten gezeigt, die um mehr als 30 Prozent der kritischen Marke von Titanimplantaten lagen. Anhand einer klinischen Drei-Jahresuntersuchung werden die einfache chirurgische und prothetische Handhabung sowie die Vorteile des einteiligen Keramikimplantatsystems RadixArt (Ökodent, Tautenheim) dargestellt.

Einleitung

Verlorene Zahnsubstanz möglichst natürlich zu rekonstruieren ist ethische Grundlage des zahnärztlichen Handelns. Das Vorbild Natur stellt für die verantwortungsvolle Zahnheilkunde eine Herausforderung dar, dem sie stetig nacheifert und sich ihm in Schritten nähert. Um ästhetisch und biologisch verträglich den schon heute bestehenden Forderungen der Patienten gerecht zu werden, haben sich vollkeramische Konstruktionen in der konservierenden und prothetischen Zahnheilkunde in den vergangenen zehn Jahren durchgesetzt. Insbesondere an der marginalen Weichgewebsmanschette zeigt sich Keramikmaterial wegen geringerer Plaqueakkumulation den metallischen Werkstoffen überlegen. Dies ist klinisch an reduzierten Hygieneindizes an Keramik­implantaten und -abutments im Vergleich zu natürlichen Zähnen oder Titanaufbauten offensichtlich und nachweisbar [3].

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Dipl.-Stom. Thorsten Radam
ist niedergelassen in Meiningen, Zentrum für Ästhetische & Funktionelle Zahnchirurgie
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Dr. Wolfram Olschowsky
ist niedergelassen in Hörselnerg-Hainisch und hat sich spezialisiert auf Ästhetische Zahnheilkunde.