Bei welchen Patienten entscheiden Sie sich für eine All-on-4-Sofortversorgung?

Dr. Dr. Alfons Eißing: Grundsätzlich kommen alle Patienten für dieses Konzept infrage, bei denen die vollständige Zahnentfernung in einem Kiefer ansteht. Es muss bei den Patienten ein gewisser Leidensdruck vorliegen. Nur dann wird auch das Konzept vom Patienten mitgetragen. Schließlich werden häufig viele nicht erhaltungswürdige Zähne eines Kiefers entfernt. In jedem Falle führen wir vor der Behandlung eine CMD-Testung durch und bei entsprechender Indikation ist eine CMD-Vorbehandlung notwendig. Selbstverständlich können auch Patienten, die bereits zahnlos sind, damit versorgt werden. Doch solche Fälle finden sich in unserer Klientel eher selten. Diese Patienten tragen häufig schon seit vielen Jahren ihre Totalprothese im Ober- oder Unterkiefer. Sie sehen eher selten ein Problem darin, diesen Zahnersatz nach der Implantatversorgung nochmals einige Wochen weiter zu nutzen, um dann direkt mit der definitiven festsitzenden und verschraubten Brückenkonstruktion versorgt zu werden. Entscheidend ist die exakte Ermittlung des implantologisch nutzbaren Knochenangebots. Wir müssen uns sicher sein, nach der Zahnentfernung mindestens vier Implantate in optimaler prothetischer Position mit einer ausreichenden Primärstabilität verankern zu können. Sonst hat der Patient nach dem Eingriff keine Zähne mehr und auch keine sofort belastbaren Implantate. Das wäre der GAU. Mit der Durchführung einer exakten 3D-Röntgenanalyse gelingt eine große Vorhersagbarkeit des späteren Ergebnisses. Hubert Dieker: Als Zahntechniker habe ich natürlich keinen Einfluss darauf, welcher Patient für das All-on-4- Konzept geeignet ist. Wir sind jedoch bei der Herstellung und Umsetzung dieses umfangreichen Konzepts stärker eingebunden als bei allen anderen zahntechnischen Tätigkeiten zuvor. Die Stabilität des Prototypen ermöglicht es im Bedarfsfall die provisorische Versorgung über einen längere Tragezeit auf den Implantaten zu belassen. Im Regelfall dauert die Versorgung des Patienten einschließlich der abschließenden definitiven Arbeit ein bis eineinhalb Jahre. In dieser Zeit bilden wir zusammen mit dem Chirurgen, dem Behandler und dem Patienten ein Team, das gemeinschaftlich eine Zielvorgabe erreichen will. Und gerade hier trägt eine optimierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe wesentlich zum Gelingen bei.

Welche Rolle spielt das Provisorium in Ihrem All-on-4-Konzept und welche Materialien verwenden Sie dafür?

Dr. Eißing: Der größte Benefit für den Patienten ist die sofortige, festsitzende, jedoch provisorische Versorgung direkt nach der Implantation. Für den Patienten, der immer mit mehr oder weniger festen Zähnen versorgt war, ist die Vorstellung, eine herausnehmbare Versorgung in der Übergangsphase tragen zu müssen, völlig inakzeptabel. Zudem können wir mit der provisorischen Versorgung eine funktionelle Therapie einleiten. Die Bisshöhe kann angepasst und auch korrigiert werden. Ebenso kann die Frontzahnästhetik verändert und eine eingefallene Lippenpartie durch die Versorgung aufgefüllt werden. Der Patient wünscht in der Regel eine Verbesserung der Frontzahnästhetik, jedoch keine völlige Veränderung seines Aussehens. Wichtig ist eine gründliche Mundhygiene nach der Implantation. Das Provisorium wird so gestaltet, dass eine optimale Hygienefähigkeit gegeben ist. Treten beim verschraubten Provisorium für den Patienten Schwierigkeiten in der Pflege auf, sollte der definitive Zahnersatz eventuell als herausnehmbare Arbeit, zum Beispiel als Teleskop- oder individuelle Stegkonstruktion, gestaltet werden. Aus den genannten Gründen ist die Versorgung mit einem Provisorium enorm wichtig für die spätere Ausführung der definitiven Prothetik.

Lesen Sie das vollständige Interview kostenlos unter folgendem Download (Erstveröffentlichung teamwork, Ausgabe 3/2017, Seite 170-172)

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Natascha Brand ist gelernte Zahntechnikerin, Fachredakteurin und Leiterin der Redaktion Zahnmedizin bei teamwork media.