Studie Implantatüberlebensrate

Beschreibung der Studie 

Ältere Patienten weisen die höchste Zahnverlustrate auf und benötigen demzufolge häufig implantologische Therapien. Der Implantaterfolg kann allerdings durch eine mangelnde Knochenqualität im Alter risikobehaftet sein. Nur eine sehr begrenzte Zahl der bisherigen Studien befassten sich mit dem Vergleich der Erfolgsquoten von Altersgruppen in der dentalen Implantologie.

Im Rahmen einer systematischen Übersicht wurden in der vorliegenden Studie bis einschließlich Mai 2016 die verfügbaren Studien der fundierten Bibliotheken geprüft und analysiert (Medline, Embase, Scopus, Cochrane). Die Einschlusskriterien wurden wie folgt festgelegt:

  1. Untersuchungsgruppe von Patienten mit einem Mindestalter ≥ 60 Jahren
  2. Eine Kontrollgruppe von Patienten mit einem Maximalalter ≤ 59 Jahren
  3. Überlebensraten von Implantaten

Von insgesamt 4.152 gesichteten Studien wurden die Informationen aus vier Studien in diese Arbeit inkludiert. Alle übrigen Studien wurden ausgeschlossen. Gründe dafür lagen beispielsweise beim Follow-up < 1 Jahr, es handelte sich um eine retrospektiv Studie, Case Reports oder Fehlen einer jüngeren Kontrollgruppe.

Das Follow-up bewegte sich zwischen 1-10 Jahren, Rauchen und Bruxismus wurden ebenso nachverfolgt. Letztlich flossen die Bewertungen von insgesamt 1.152 Implantaten in den Vergleich. Die Implantatsysteme waren von verschiedenen Implantatherstellern gefertigt wie beispielsweise vom Hersteller Nobel Biocare, Straumann, Dentsply Friadent und Leone Implant. Die Oberflächen waren maschiniert, TPS-beschichtet, sandgestrahlt und geätzt. Die Implantatslänge variierte zwischen 8-13 mm.

Ergebnisse und Konklusion

In den untersuchten Studien erhielten beide Patientengruppen die gleiche Versorgung. Bedingt durch die geringe Teilnehmerzahl entstanden allerdings sehr heterogene Gruppen. Patienten mit ernsten systemischen Erkrankungen wurden ausgeschlossen, andere Risikofaktoren fanden sich in beiden Patientengruppen (Rauchen, Bruxismus). Bei keinem Patienten lag eine Osteoporose vor. Als Misserfolg wurden gängige Kriterien definiert, dazu zählten Implantatverlust, Beweglichkeit, Schmerz und Knochenabbau. Einige Einflussparameter, wie Regio des Implantats, Knochenqualität, prothetische Versorgung, wurden nicht differenziert betrachtet.

Die abschließende Bewertung kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko eines Implantatverlustes sich zwischen den beiden Altersgruppen nicht signifikant unterscheidet (RR= 0.92; 95% CI 0.43-1.96, P = 0.83).

Fazit für die Praxis

Das Ergebnis des Reviews bestätigt die bereits vorhandenen Studien: Das Alter alleine ist kein Ausschlusskriterium für eine erfolgreiche Implantatversorgung. Allerdings muss man bei der prospektiven Betrachtung den Ausschluss der schwerwiegenden Erkrankungen berücksichtigen. Die Bias führt somit dazu, dass eher gesunde, ältere Menschen sich für eine Implantatversorgung entscheiden. Eine Aussage über die ebenfalls stetig wachsende Zahl der multimorbiden und polypharmazeutischen Patienten kann nicht getroffen werden.  Altern stellt einen sehr individuellen Prozess dar. Die Menschen leben heute nicht nur deutlich länger, sondern bleiben auch viel länger gesund und erwarten einen funktionellen Zahnersatz. Weitere Studienforschung mit der Unterteilung in weitere Altersgruppen (>70, >80) wäre für eine zukunftsorientierten Praxis mit ihrer demografischen Veränderung von höchstem Interesse. Zusätzlich sollte die Frage, ob „FRAILTY“ ein Risikofaktor für implantologische Versorgung darstellt, gestellt werden.

Originalarbeit
Dental implant loss in older versus younger patients: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. D.I. Sendyk, E.S. Rovai, C.M. Pannuti, M.C.Z. Deboni, W.R. Sendyk, A. Wennerberg

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Dominic Jäger MSc
Zahnarzt Dominic Jäger approbierte an der Universität Rostock, im Jahr 2017 beendete er erfolgreich den Master of Science für Parodontologie und Implantattherapie. Außerdem ist er Spezialist für Senioren-Zahnmedizin. Er ist als angestellter Zahnarzt in Geseke tätig.
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Dr. Dr. Daniel Schneider
Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Schneider ist als Arzt und Zahnarzt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Helios Kliniken Schwerin tätig.