Die Weichgewebe um dentale Implantate werden als periimplantäre Mukosa bezeichnet [14], obwohl die Terminologie dieses Gewebes nach wie vor uneinheitlich erfolgt. Die Eigenschaften der periimplantären Mukosa werden während jenes Wundheilungsprozesses etabliert, der im Anschluss an eine Implantation oder Eröffnungsoperation und eine Abutmentverbindung erfolgt und stellen eine funktionelle Barriere zwischen der Mundhöhle und den darunterliegenden dentalen Implantaten dar. Die periimplantäre Mukosa respektive Gingiva an Zähnen verfügen über verschiedene gemeinsame klinische und histologische Charakteristika – jedoch bestehen auch bedeutende Unterschiede. Bei Zähnen inserieren Fasern des parodontalen Ligaments als Sharpeysche Fasern im Wurzelzement und dienen als Verankerung, während bei dentalen Implantaten Bindegewebefasern mehr oder weniger parallel zur Implantat- oder Abutmentoberfläche verlaufen und nicht am Implantat inserieren oder anhaften. Die Implantatverankerung ist primär osseointegriert. Das periimplantäre Bindegewebe beinhaltet überdies weniger Fibroblasten, aber mehr Kollagenfasern als die Gingiva [16] und entspricht strukturell auch deshalb eher einem Narbengewebe [23]. Der Verbund mittels Saumepithel ist bei Implantaten länger und permeabler als bei Zähnen, wohingegen die Gingiva mehr Blutgefäße aufweist, strukturbiologische Eigenheiten, die periimplantäre Schleimhäute zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber bakteriellen Infektionen prädisponieren könnten [20]. Der Bestand nichtelastischer Kollagenfasern im unterliegenden Bindegewebe ist auch verantwortlich für das Vorhandensein keratinisierter Gewebe, wobei der Hauptteil desmodontaler Fasern des Zahnhalteapparats nichtelastisch kollagen ist. Aus diesem Grund baut sich normalerweise ein schmales Band an keratinisierter Gingiva wieder auf, auch wenn dieses chirurgisch vollständig exzidiert wird. Um Implantate ist in vielen Fällen die periimplantäre Schleimhaut, trotz Keratinisierung, nicht am darunterliegenden Knochen befestigt. Das kann besonders dann beobachtet werden, wenn periimplantäre Gewebe hoch dimensioniert sind und die Grenze zwischen keratinisierter und bedeckender Schleimhaut in Relation zum periimplantären Knochenniveau entsprechend koronaler positioniert ist [24].

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PD Dr. Gernot Wimmer
absolvierte das Studium zur allgemeinen Humanmedizin an der Karl Franzens-Universität Graz von 1974 bis 1982 und erlangte 1986 nach allgemeinchirurgischer Ausbildung seine Facharztausbildung für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universitätsklinik Graz. Dr. Wimmer ist seit 2005 als Senior Scientist an der Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit, Abteilung für Zahnerhaltung, Parodontologie und Zahnersatzkunde tätig mit den Forschungsschwerpunkten klinische interdisziplinäre parodontale Medizin und parodontal plastische Chirurgie.