In dieser Studie wurden bei 166 Patienten jeweils sechs subgingivale Biofilmproben entnommen, die mittels Checkerboard-DNA-DNA-Hybridisierung auf 40 Mikroorganismen untersucht wurden. Die Patienten wurden anhand parodontaler Parameter, dem Body-Mass-Index und der Waist-Hip-Ratio (WHR) in vier Gruppen eingeteilt: normalgewichtige parodontal gesunde Patienten, normalgewichtige parodontal erkrankte Patienten, adipöse parodontal gesunde Patienten und adipöse parodontal erkrankte Patienten. Alle Patienten waren über 30 Jahre alt, hatten mindestens 15 Zähne, waren nicht an Diabetes mellitus erkrankt (glykiertes Hämoglobin/HbA1c < 6,5%, Nüchternglucose im Plasma/fasting plasma glucose/FPG = 70-99 mg/dl) und wiesen keine erhöhten Entzündungswerte (CRP < 6 mg/l) auf.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien waren Rauchen, Schwangerschaft, Parodontitistherapie in den vergangenen zwölf Monaten, Einnahme von antibiotischen, antiinflammatorischen, immunsuppressiven oder lipidsenkenden Medikamenten in den vergangenen sechs Monaten, regelmäßige Verwendung von antimikrobiellen Mundspüllösungen,  kieferorthopädische Apparaturen und systemische Erkrankungen, die einen Einfluss auf die Progression von Parodontitis oder Adipositas haben könnten (Diabetes mellitus, Erkrankungen des Immunsystems, Osteoporose, Hypothyreose, kardiovaskuläre Erkrankungen).

Untergewichtige (BMI < 18,5 kg/m²), übergewichtige (BMI ≥ 25 und < 29,9 kg/m² und extrem adipöse Patienten (BMI ≥ 40 kg/m²) wurden ebenfalls ausgeschlossen. Es wurden lediglich normalgewichtige (BMI = 18,5-24,9 kg/m², WHR < 0,85 (Frauen) bzw. WHR < 0,90 (Männer) und adipöse Patienten (BMI ≥ 30 und < 40 kg/m², WHR ≥ 0,85 (Frauen) bzw. WHR ≥ 0,90 (Männer) untersucht. Die Diagnose einer generalisierten chronischen Parodontitis erfolgte nach Armitage 1999.

Subgingivale Biofilmproben wurden nach supragingivaler Reinigung mittels steriler Mini-Gracey-Küretten aus sechs nicht zusammenhängenden Taschen in verschiedenen Quadranten entnommen und mittels Checkerboard-DNA-DNA-Hybridisierung untersucht. Bei parodontal erkrankten Patienten wurden drei Proben aus Taschen mit erhöhten Sondierungstiefen und klinischem Attachmentverlust (ST/CAL > 4mm) und Blutung auf Sondieren (Bleeding on Probing, BoP) sowie drei Proben aus gesunden Taschen (ST ≤ 3mm, kein BoP) entnommen. Bei parodontal gesunden Patienten wurden sechs Proben aus gesunden Taschen (ST ≤ 3mm, kein BoP) entnommen.

Die Ergebnisse für normalgewichtige und adipöse Individuen wurden in Bezug auf den Schweregrad der Parodontitis sowohl auf lokaler Ebene in der jeweiligen Tasche als auch auf patientenbezogener Ebene gematcht. Der mögliche Einfluss des Alters der Patienten wurde statistisch berücksichtigt und angepasst.

Ergebnisse und Konklusion

Bei adipösen Patienten mit chronischer Parodontitis konnten höhere Levels und Anteile von mehreren Parodontalpathogenen festgestellt werden, als bei normalgewichtigen Patienten mit chronischer Parodontitis: Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Eubacterium nodatum, Fusobacterium nucleatum ss vincentii, Parvimonas micra, Prevotella intermedia, Tannerella forsythia, Prevotella melanogenica und Treponema socranskii. In parodontal gesunden Taschen bei Patienten mit Adipositas konnten zudem höhere Anteile einiger Parodontalpathogene (Prevotella intermedia, Treponema socranskii, Fusobacterium nucleatum ss polymorphum) nachgewiesen werden, als bei Normalgewichtigen.

Folgerung für den Praktiker

Adipositas scheint mit einem erhöhten Anteil von Parodontalpathogenen im subgingivalen Biofilm vergesellschaftet zu sein, insbesondere bei Patienten mit generalisierter chronischer Parodontitis. Langfristige klinische Konsequenzen müssen jedoch in weiteren Studien genauer beleuchtet werden.

Originalpublikation// Maciel, S.S., et al., Does obesity influence the subgingival microbiota composition in periodontal health and disease? J Clin Periodontol, 2016. 43(12): p. 1003-1012. //

Die komplette Studie finden Sie hier. 

 

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.