Manuelle Instrumente, also Handküretten, für das Debridement der Wurzeloberfläche gibt es schon sehr lange. Doch stoßen Handküretten an ihre Grenzen? Bieten sich in der geschlossenen PAR-Therapie Alternativen an?

Schmage: Handküretten stoßen nicht an ihre Grenzen. Sie ergänzen vielmehr die Behandlung und sind nicht aus dem Behandlungskonzept wegzudenken.

Günay: Korrekt, es gibt kein Entweder-Oder. Man wählt stets eine Kombination. Zentraler Bestandteil der initialen und unterstützenden Parodontitistherapie ist bekanntlich die supra- und subgingivale Plaque- und Zahnsteinentfernung. Und dafür bieten sich oszillierende Scalersysteme und eben Handinstrumente an.

Schmage: Die Handkürette kommt in unserer Klinik in erster Linie zum Einsatz, um die vollständige Reinigung zu prüfen. Dazu gleite ich quasi mit der Kürette über die Wurzeloberfläche. So spüre ich, ob und wo ich noch nacharbeiten muss. Zur Vorreinigung nutzen wir die grazilen gebogenen Ultraschallansätze, um effizient und weniger ermüdend als manuell zu reinigen. Ein zusätzlicher Effekt ist, dass die Taschen danach eröffnet sind. Trotzdem wähle ich zum Nacharbeiten die Mini-Five-Gracey-Kürette, so wird das Gewebe nicht unnötig strapaziert. Bestehen Taschen über 5 mm, kommt die After-Five-Gracey Kürette zum Einsatz (siehe Kasten).

Günay: Eine geschlossene PAR-Behandlung braucht ein durchdachtes Konzept. Sie startet mit einer antibakteriellen Therapie, die unter anderem durch Beseitigung des dysbiotischen subgingivalen oralen Biofilms am Hart- (adhärent an der Wurzeloberfläche) und Weichgewebe (desquamierend am Taschenepithel) atraumatisch und effektiv sein sollte. Die offene PAR-Therapie wird deutlich seltener durchgeführt, wir behandeln heute mehr als 90 Prozent der Fälle geschlossen. Und dafür bieten sich, wie gesagt, unterschiedliche Instrumente an: klassische Hand-, Ultraschall- und Schallinstrumente, die auch gegenseitig ergänzend verwendet werden können.

Pulver-Wasser-Strahlgeräte eher nicht?

Preuß: Nur ergänzend. Reine Pulverstrahlgeräte haben den Nachteil, dass sich mit ihnen keine harten Auflagerungen von der Zahn- oder Wurzeloberfläche entfernen lassen.

Was bevorzugen Sie in Ihrer Praxis?

Preuß: Ich selbst bevorzuge eindeutig Schallansätze. Sie übertragen nicht so viel Energie wie Ultraschallansätze, und ihre Reinigungsleistung ist sehr vergleichbar.

Welche Ansätze favorisieren Sie da?

Preuß: Ich benutze die SF10-Schallspitze von Komet Dental wegen ihrer besonderen Eigenschaften praktisch bei jeder Sondierungstiefe, bei Parodontitisbehandlungen ab 3,5 bis 4 mm.

Herr Professor Günay, Sie haben die SF10- und SF11-Schallspitzen entwickelt. Was genau sind die besonderen Eigenschaften?

Günay: Mein Ziel war es, eine Instrumentenform zu konstruieren, die die Anforderungen der geschlossenen PAR-Therapie perfekt trifft, also innen scharfkantig und außen stumpf ist. Das flach zulaufende Arbeitsteil sollte sich leicht auch in größere Taschentiefen einbringen lassen und der Morphologie der Wurzeloberfläche durch Flexibilität anpassen. So kam ich auf die Öse, das Besondere, das diese Schallspitzen auszeichnet. Wie bei dem anderen Schallinstrument SF11 ist die Idee aus der Not heraus entstanden, da bei der Bearbeitung der komplexen Wurzelmorphologie – wie bei fortgeschrittenem Attachmentverlust (> 6 mm) und Furkationsparodontitis – der erschwerte Zugang und die bizarren Strukturen im Furkationsbereich der mehrwurzeligen Zähne oftmals große Schwierigkeiten bereiten können.

Schmage: Das Ösendesign ist vor allem hilfreich bei sehr harten und stark anhaftenden Konkrementen.

Lesen Sie hier kostenlos das vollständige Interview als PDF-Datei (Erstveröffentlichung Dental Magazin 3/2018, S.7 bis 20):

 

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Dr. Manfred Preuß
studierte Zahnmedizin in Kiel, von 1992 bis 2001 Truppenzahnarzt bei der Bundeswehr, seit 2002 niedergelassen in einer Gemeinschaftspraxis in Bad Zwischenahn.
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Prof. Dr. Hüsamettin Günay
ist stellvertretender Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie/Periimplantologie und Präventive Zahnheilkunde, Medizinische Hochschule Hannover.
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Prof. Dr. Petra Schmage
Oberärztin im Bereich Parodontologie, QMB, Poliklinik für Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf
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Sabine Berg
studierte Betriebswirtschaftslehre und ist seit 2001 Produktmanagerin für die Bereiche Prophylaxe, Parodontologie und Oralchirurgie bei Komet Dental in Lemgo.