Der Parodontale Screening Index (PSI) ergab bei Flüchtlingen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren kaum parodontal gesunde Probanden. „Das ist nicht verwunderlich, wenn man die primär schwierigen Bedingungen in den Heimatländern, der Flucht und den Bedingungen in den Erstaufnahmeeinrichtungen berücksichtigt“, meint der Leiter der Studie, Prof. Dr. Christian Splieth. Mehrheitlich lagen allerdings nur eine gingivale Blutung oder Zahnstein vor. Beides sei durch einfache Maßnahmen der Mundhygieneverbesserung oder durch professionelle Zahnreinigung leicht zu korrigieren. Schwere Parodontopathien lagen in nur 4,4 Prozent der Gebiss-Sextanten vor, waren also eher selten.

544 Flüchtlinge aller Altersgruppen waren in der multizentrischen Erhebung erfasst; am deutlichsten trat die Karies als Krankheitsbild auf. Vor allem im Milchgebiss der Flüchtlingskinder war diese mit 2,62 betroffenen Zähnen bei Dreijährigen und einem mittleren Wert von 5,22 dmft bei Sechs- und Siebenjährigen vergleichsweise hoch. Nur 35 Prozent der Zwölfjährigen weisen demnach ein naturgesundes natürliches Gebiss auf. Der Mittelwert von 2,0 dmft liegt damit um ein Vielfaches über dem deutschen Wert (0,5 dmft) und entspricht der Prävalenz deutscher Jugendlicher aus der Mitte der 90er Jahre. Der prothetische Versorgungsgrad der Flüchtlinge ist niedrig, ein Drittel der Kinder und Jugendlichen erfüllt zudem die Kriterien der KFO-Indikationsgruppe.

Deutscher Zahnärztetag 2017 eröffnet

 

„Sorgenkind“ Approbationsordnung

Man muss es positiv sehen: Für den Präsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, hat das Verschieben der Entscheidung über die Approbationsordnung für Zahnärzte durch den Bundesrat etwas Positives: „Immerhin wurde sie nicht abgelehnt.“
 
 

Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK, riet dazu, die erfolgreichen Präventionskonzepte von Gruppen- und Individualprophylaxe gezielt auf Flüchtlinge und vor allem deren Kinder auszuweiten. Für Prof. Dr. Michael Walter, Präsident der DGZMK, ist „der Erhalt oder die Wiederherstellung der Gesundheit ein Beitrag zur erfolgreichen Integration und stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar“. Und Dr. Wolfgang Eßer nennt die Studiendaten eine „Grundlage für die Versachlichung der Diskussion um Kosten für die zahnmedizinische Versorgung von Flüchtlingen. Fest steht jetzt: Für Krankenkassen und öffentliche Hand besteht kein Grund für Alarmismus. Die Behandlungskosten bleiben in einem vertretbaren Rahmen“.  

Auf dem derzeit laufenden Deutschen Zahnärztetag wurden die Ergebnisse der Studie „Flüchtlinge in Deutschland – Mundgesundheit, Versorgungsbedarfe und deren Kosten“ präsentiert, die von der Universität Greifswald unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung durchgeführt und zusätzlich von der Wrigley Company Foundation gefördert wurde.

Links zur Studie: www.dgzmk.de, www.bzaek.de/studie, www.kzbv.de/dzt2017.

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Bernd Schunk ist als Fachjournalist Leiter der Redaktion Medizin/Zahnmedizin im Deutschen Ärzteverlag.