Verglichen wurden dabei der koronale Verschiebelappen (coronally advanced flap – CAF; ohne Entlastungsinzision) mit der modifizierten mikrochirurgischen Tunnelierungstechnik (modified microsurgical tunnel technique – MMTT).

40 Patienten mit 71 zu behandelnden Rezessionen (singulär und multiple Erscheinungsform) wurden randomisiert in die Gruppen CAF oder MMTT eingeteilt und erhielten ein Bindegewebstransplantat. Während der Follow-Up-Termine wurden nach drei, sechs und zwölf Monaten Abdrücke genommen, die mittels Scan und 3D-Technologie digitalisiert wurden.  Mithilfe dieser Daten war eine genaue Evaluierung der quantitativen Veränderungen im OP Gebiet möglich. Zusätzlich wurde die Patientenzufriedenheit anhand des sogenannten ‚root coverage aesthetic scores‘ (RED) ermittelt.

Ergebnisse und Konklusion

Nach einer Beobachtungsperiode von zwölf Monaten wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Operationstechniken festgestellt. Wurzeldeckung wurde in Höhe von 93,3 % durch CAF und 97,2 % bei MMTT erreicht; es gab keine signifikante Differenz der volumetrischen Veränderung, so die Studienautoren. Die RES-Auswertung zeigte in beiden Gruppen gute Ergebnisse und deckte sich mit der subjektiven Patientenzufriedenheit.

Sowohl MMTT, als auch CAF in Kombination mit einem Transplantat eignen sich zur Deckung von Rezessionen der Miller Klassen I und II – beide mit hohen ästhetischen Ergebnissen, laut Autoren. Alle Teilnehmer signalisierten Bereitschaft für weitere parodontalchirurgische Eingriffe.

Folgerung für den Praktiker

Beide oben genannten Methoden dienen als zuverlässige, vorhersagbare und suffiziente chirurgische Rezessionstherapie, jedoch ausschließlich in Kombination mit einem Bindegewebstransplantat – so lautet das Fazit dieser Arbeit. Die Empfehlung geht deshalb soweit, dass die Wahl des Verfahrens dem Behandler überlassen bleibt, der dies abhängig von Erfahrung, Kompetenz und Präferenz entscheiden sollte. Die Autoren verweisen wiederholt auf den positiven Effekt der Mikrochirurgie und auf die Arbeit mit einer optischen Vergrößerung, um gleichartige Erfolge zu verzeichnen. Ebenso sind Compliance der Patienten und regelmäßige Kontrollen mit professioneller Hygienephase prä- und postoperativ nicht zu vernachlässigen, die eine Stabilität der Situation und somit die optimale Heilung unterstützen.

Auf der anderen Seite sollte man einige Fakten der Studie berücksichtigen: die Differenzierung zwischen singulären oder multiplen Rezessionen wurde nicht gefasst; wobei in vergangenen Studien deutlich auf unterschiedliche Heilungserfolge hingewiesen wird.  Urteile über den Zustand der Interdentalpapille werden keine getroffen – die ‚RED‘-Beurteilung bezieht diese nicht explizit ein; wobei dies das Hauptmerkmal der Tunnelierungstechnik ist  ein Erhalt der ursprünglichen Papillen. Zusätzlich sollten die technischen Ansprüche an den Operateur je nach Verfahren nicht vernachlässigt werden.

Originalpublikation // Azaripour A, Kissinger M, Farina VS, Van Noorden CJ, Gerhold-Ay A, Willershausen B, Cortellini P. Root coverage with connective tissue graft associated with coronally advanced flap or tunnel technique: a randomized, double-blind, mono-centre clinical trial. Erscheinung: J Clin Periodontol. 2016 Dec //

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Annika Kröger
Annika Kröger hat in Bonn Zahnmedizin studiert und befindet sich derzeit in der Weiterbildung an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung & Präventive Zahnheilkunde, Universität Bonn. Ihre Promotionsarbeit beschäftigt sich mit dem Mikrobiom periimplantärer Erkrankungen.