Beschreibung der Studie

Im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie wurden bei insgesamt 52 Patienten die Langzeitbehandlungskosten bei aggressiver Parodontitis (PA) analysiert. Die Patienten befanden sich im Zeitraum von 1982 bis 1998 in einer Universitätsklinik in Behandlung. Die Patientengruppe charakterisiert sich wie folgt: Alter > 35.2 +/- 6,8, Compliant, 26,5 Zähne, bei 38 % Knochenverluste über 50 %, Follow-up 16,9 Jahre +/- 5,4. Die aggressive PA wurde nach Lang (1999) definiert, deren Grundlage bei mehr als 50 % Knochenverlust und mehr als zwei Zähnen liegt. Für die Kostenanalyse wurde zwischen aktiver (APT) und unterstützender (UPT) Parodontitistherapie unterschieden. Zur APT zählten das Scaling und Root Planing, Lappen-OPs, Wurzelamputationen ohne regenerative oder resektive Therapie. Zur UPT zählten alle weiteren, auch restaurative, endodontische, prothetische und chirurgische Leistungen. Die UPT erfolgte je nach Risikoprofil 1 bis 4 jährlich. Als Vergütungsvereinbarung wurden die Rahmenbedingungen des deutschen Krankenkassensystems genommen (Bema sowie gegebenenfalls GOZ).

Ergebnisse und Konklusion

Insgesamt 87 % der Kosten entstehen durch die UPT, welche natürlich auch einen längeren Behandlungszeitraum erfasst. Die jährlichen Kosten liegen pro Patient bei 209 bis 536 Euro, beziehungsweise zwischen 20 bis 65 Euro pro Zahn und Jahr. Folglich betragen die Kosten, auf das Follow-up bezogen, 3.807 bis 6.998 Euro pro Patient und damit, von der Kostenstruktur etwa einer chronischen Parodontitistherapie. Bestimmte Ausgangsfaktoren, wie eine Alter > 34, männlich, Raucher oder ehemals Raucher, ein Furkationsbefall Grad II oder III, sowie 50 bis 70 % Knochenverlust bei Therapiebeginn, führen jedoch zu einer deutlichen Kostensteigerung.

Fazit für die Praxis

Bereits heute steht fest, dass eine erfolgreiche Zahnretention über einen längeren Zeitraum auch bei aggressiver Parodontitis möglich ist. Die zusätzliche Kostenanalyse bekräftigt aus gesundheitsökonomischer Sicht die Richtigkeit und Wichtigkeit eines zahnerhaltenden Konzepts. Es gilt allerdings die Diskussion zu führen, warum der Patient selbst einen hohen Anteil an den Behandlungskosten (UPT) zu tragen hat. Insbesondere die regelmäßige Professionelle Zahnreinigung bei einer chronischen Erkrankung aber auch warum das heutige Krankenkassensystem keine ausreichende Unterstützung leistet. Allen Patienten sollte eine moderne, prophylaktische zahnerhaltende Therapie ermöglicht werden.

Originalarbeit
Long-term treatment costs for aggressive periodontitis in a German population. J Clin Periodontol. 2017 Dec;44(12):1245-1252. doi: 10.1111/jcpe.12814. Epub 2017 Nov 10. Schwendicke F, Biffar AS, Graetz C.

Die komplette Studie finden Sie hier. 

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Dominic Jäger MSc
Zahnarzt Dominic Jäger approbierte an der Universität Rostock, im Jahr 2017 beendete er erfolgreich den Master of Science für Parodontologie und Implantattherapie. Außerdem ist er Spezialist für Senioren-Zahnmedizin. Er ist als angestellter Zahnarzt in Geseke tätig.
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Dr. Dr. Daniel Schneider
Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Schneider ist als Arzt und Zahnarzt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Helios Kliniken Schwerin tätig.