Nicht nur Erinnerungsstützen sollten bei Demenz-Patienten die Mundhygiene steigern. © ©Sinuswelle - stock.adobe.com

Insbesondere wächst der Anteil der älteren dementen Patienten mit eigenen Zähnen. Im Vergleich zu Patienten ohne kognitive Einschränkung besteht ein erhöhtes Risiko einer eingeschränkten Mundgesundheit. Diese ist häufig geprägt durch eine nur bedingt mögliche eigene Mundhygiene und der oftmals fehlenden motorischen Fähigkeiten.

Das Review möchte zur Einschätzung der Prävalenz oraler Erkrankungen bei dementen Patienten eine aktuelle Übersicht der Studienlage geben. Zu diesem Zweck wurden 561 Artikel gesichtet, davon erfüllten 36 die Ein- und Ausschlusskriterien des Reviews und flossen in die Bewertung ein.

Ergebnis und Schlussfolgerung

Demenzpatienten weisen gegenüber nicht dementen Patienten deutlich erhöhte Plaquewerte (63,4-91%) auf. Das birgt ein hohes Risiko an Gingivitis (13,6% bis 38,9%) und Parodontitis (mittelschwere PA 62,9% bis 97%, schwere PA 20% bis 48%) zu erkranken. Zur Optimierung der Mundgesundheit benötigt diese Patientengruppe zwingend Unterstützung bei der Mundhygiene. Neben Mundtrockenheit (30%) besteht auch ein erhöhtes Risiko an Candidosen (4%-30%/ 5% in den Kontrollgruppen) sowie Stomatitis zu erkranken oder unter anderen mukosalen Läsionen zu leiden (auch Druckstellen). In Folge können Probleme beim Schlucken sowie der Nahrungsaufnahme auftreten. Schmerzen und Beschwerden haben einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten und führen darüber hinaus zu eingeschränkter Kommunikation.

Fazit für die Praxis

Verlust oder Einschränkungen beim Arbeitsgedächtnis und/oder den motorischen Fähigkeiten (u.a. Griffstärke) durch die Demenz führen unweigerlich zu schlechteren Mundhygiene und damit zu erhöhten Plaquewerten – diese sind ursächlich für Gingivitis und Parodontitis verantwortlich. Der Bedarf an professioneller Unterstützung bei der Zahn und Prothesenpflege ist in sechs von sieben Studien signifikant höher. Die orale Gesundheit und Mundhygiene bei Demenzpatienten ist oftmals insuffizient. Es gibt bereits viele Modelle, die die Mundgesundheit der dementen Patienten verbessern. Regelmäßige Professionelle Zahnreinigungen, die in häuslicher Umgebung/Wohnheimen von Dentalhygienikerinnen durchgeführt werden, zusätzliche chemische Plaquekontrolle sowie ein wachsender Markt an Hilfsprodukten für Senioren, wie eine Dreikopfzahnbürste, sind nur einige Beispiele dafür.

Gleichwohl können Schulungsangebote für Pflegende sowie regelmäßige zahnärztliche Betreuung die Mundgesundheit der Demenzpatienten deutlich verbessern. Kooperationsverträge zwischen Zahnärzten und Pflege-/Wohneinrichtungen bieten dafür die notwendige Grundlage. Ab dem 1. Juli 2018 tritt die gesetzliche Regelung auf zusätzliche zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen im Rahmen der GKV für alle Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen in Kraft und ermöglicht damit ein erweitertes Leistungsspektrum.

Originalpublikation:
„Oral hygiene and oral health in older people with dementia: a comprehensive review with focus on oral soft tissues“. Suzanne Deiwel, Tarik T. Binnekade, Roberto S.G.M. Perez, Cees M.P. Hertogh, Erik J. A. Scherder, Frank Lobbezoo. Clin Oral Invest (2018) 22:93-108.

Hier gelangen Sie zur Originalstudie.

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Dominic Jäger MSc
Zahnarzt Dominic Jäger approbierte an der Universität Rostock, im Jahr 2017 beendete er erfolgreich den Master of Science für Parodontologie und Implantattherapie. Außerdem ist er Spezialist für Senioren-Zahnmedizin. Er ist als angestellter Zahnarzt in Geseke tätig.
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Dr. Dr. Daniel Schneider
Dr. med. Dr. med. dent. Daniel Schneider ist als Arzt und Zahnarzt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in den Helios Kliniken Schwerin tätig.