Warum Sie diesen Beitrag lesen sollten?
Sie erhalten ein aktuelles Update aus dem Bereich der nichtchirurgischen Parodontitistherapie und einen umfassenden Überblick über die nichtchirurgische Parodontitistherapie als Vorbehandlung bei prothetischer oder implantologischer Rehabilitation.

Einleitung

Moderne parodontale Behandlungskonzepte gehen aus unterschiedlichen, oft universitär geprägten Therapiekonzepten hervor. Im Zentrum dieser Parodontalbehandlung (PAR Therapie) steht immer die Elimination der parodontalen Entzündung. In einigen frühen Konzepten bestand eine solche PAR-Therapie traditionell aus einer therapieeinleitenden, initialen Phase, auch Initialtherapie genannt. Bei dieser Initialtherapie wurden alle Zahnoberflächen in ein bis drei Sitzungen gereinigt und zusätzlich wurde die Mundhygiene des Patienten optimiert. Die nachfolgende PAR-Therapie bestand wiederum aus einer nichtchirurgischen konservativen und einer nachfolgenden korrektiven, häufig radikalchirurgischen Behandlungsphase. Die Folge: einerseits Remission der Entzündung, aber anderseits auch enormer Gewebsverlust mit teilweise starken ästhetischen Beeinträchtigungen und starken Empfindungsstörungen. Neueste Erkenntnisse belegen jedoch, dass das körpereigene Heilungsvermögen der marginalen parodontalen Gewebe durch frühzeitige chirurgische Intervention einerseits beeinträchtigt beziehungsweis gestört wird und andererseits das orale Gewebe der Fähigkeit zur Autoregeneration beraubt wird. Daher wird in modernen parodontalen Konzepten, wie etwa dem Würzburger Therapiekonzept, der ersten nichtchirurgischen Behandlungsphase der parodontalen Therapie, größte Aufmerksamkeit geschenkt, um nachfolgende, häufig mit enormen Gewebsverlusten einhergehende operative Eingriffe zu vermeiden.

Grundlegender Gedanke hinter diesen vor allem nichtchirurgisch geprägten Konzepten ist die Annahme, dass Bakterien des oralen Biofilms, besonders diejenigen Keime, die vorwiegend in subgingivalen Biofilmen oder Konkrementen siedeln, maßgeblich für die entzündlichen Prozesse im Bereich der parodontalen Tasche verantwortlich sind. Bei diesen Entzündungsreaktionen handelt es sich nicht um eine klassische Infektionserkrankung, sondern vielmehr um eine opportunistische Infektion. Dies bedeutet, dass in erster Linie die qualitative Zusammensetzung der supra- und subgingivalen Plaque und nachfolgend die Zahl der die Mundhöhle besiedelnden Keime die Ursache der Erkrankung sind. Zusätzlich zur Präsenz der pathogenen Keime triggern Risikofaktoren wie Allgemeinerkrankungen, Stress, hormonelle Veränderungen oder erbliche Komponenten das Entstehen der Parodontitis. Diese Annahme wird darüber hinaus gestützt von der Theorie, dass die häusliche Mundhygiene nicht der entscheidende Faktor für den Erfolg einer parodontalen Therapie ist [1, 4, 5, 7, 8]. Aus diesem Grund wird beispielsweise im Würzburger Therapiekonzept weitgehend auf die Vorbehandlung beziehungsweise die sogenannte Hygienephase verzichtet und ohne großen zeitlichen Versatz die eigentliche nichtchirurgische, antiinfektiöse Therapie begonnen. Gestützt wird diese Ansicht des Weiteren durch folgende mikrobiologische Überlegungen: Die Anwesenheit von parodontopathogenen Keimen im subgingivalen Biofilm triggert maßgeblich die Gewebsentzündung im gingivalen Sulkus. Dadurch wird unter anderem die Sezernierung von Sulkusfluid insofern erhöht, als subgingivale Bakterien einen Selektionsvorteil erhalten, da diese Keime verschiedene Eiweißmoleküle als Nahrungsgrundlage verstoffwechseln können. Basierend auf dieser Tatsache erscheint eine initiale Hygienephase, die lediglich den supragingivalen Bereich therapiert und die Mundhygiene optimiert, als mikrobiologisch nicht sinnvoll. Aus diesem Grund wird in Konzepten wie dem Würzburger Therapiekonzept nach Aufnahme eines detaillierten parodontalen Befunds zeitnah die nichtchirurgische konservative Parodontitistherapie eingeleitet.

Lesen Sie den ganzen Artikel kostenlos als PDF-Datei unter folgendem Download (Erstveröffentlichung in der ZZI, 1/2018, Seite 50-56):

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Dr. Markus Bechtold
Medizinisches Versorgungszentrum Zahnkultur Köln, Chefredakteur Dental Online College, Vorstand Akademie Praxis und Wissenschaft/DGZMK