Rezessionen der marginalen Gingiva, in anderen Worten die Verlagerung des Zahnfleischrands apikal der Schmelz-­Zement-Grenze, betreffen weite Teile der Bevölkerung. Jüngere Patientengruppen mit hohem Mundhygienestandard weisen freiliegende Wurzelanteile zumeist an bukkalen Zahnflächen auf [31,40], häufig assoziiert mit keilförmigen Zahnhalsdefekten [38]. Bei diesen Patienten werden in erster Linie Zahnfehlstellungen und traumatisches Zähneputzen für die Entstehung gingivaler Rezessionen verantwortlich gemacht [13,22,38]. In den Patientengruppen mit schlechter Mundhy­giene finden sich vermehrt ältere Patienten, die parodontal erkrankt sind [31]. Hier beginnen Attachmentverlust und Zahnfleischrückgang in der Regel approximal und betreffen im weiteren Krankheitsverlauf dann auch bukkale beziehungsweise linguale Zahnflächen [31,49]. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, gingivale Rezessionsdefekte entsprechend ihrer Ätiologie einerseits einzuteilen in (i) traumatisch bedingte Verletzungen der marginalen Gingiva, die lokalisiert (bukkal) auftreten und zumeist jüngere Patienten mit exzessiven oder fehlerhaften Mundhygienegewohnheiten betreffen. Andererseits müssen davon (ii) durch entzündliche Destruktion verursachte Defekte unterschieden werden, die im Kontext generalisierter, plaqueinduzierter Parodontalerkrankungen zu mehr oder weniger zirkumferentem Zahnfleischrückgang führen (Abb. 1 und 2).

Ursachen und modifizierende Faktoren

Obwohl mechanische Faktoren, und hierbei insbesondere traumatisches Zähneputzen, heute als die Hauptursache bukkaler Rezessionsdefekte angesehen werden [13,38], muss bei der Entstehung dieser Läsionen dennoch von einer multifaktoriellen Ätiologie ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die Ausbildung gingivaler Rezessionen als ein Prozess zu verstehen ist, welcher stets zwei anatomische Strukturen beteiligt: den bukkalen Alveolarknochen und die darüber liegende marginale Gingiva. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass sich eine Weichgewebsrezession klinisch immer nur dann manifestieren kann, wenn an dieser spezifischen Stelle primär auch eine knöcherne Dehiszenz vorliegt (Abb.  3a und b).

Lesen Sie hier kostenlos den vollständigen Fallbericht als pdf-Datei (Erstveröffentlichung teamwork 06/2016, S. 468-479):

Artikelempfehlungen

  • Furkationsgrad II

    Rosuvastatin- und Atorvastatin-Gel als Additiva

    Diese Studie macht es sich zur Aufgabe, den Einfluss von Rosuvastatin (RSV) und Atorvastatin (ATV) in Form von 1,2-prozentigen Gelen als lokales Medikament zum Scaling und Root-Planning bei Furkationsgraden II zu untersuchen.

  • DG PARO-Young Professionals: Duell der Disziplinen, Teil 1

    Paro vs. Implanto: Gibt es „hoffnungslose“ Zähne?

    Wie vorgehen bei Knochendefekten - auf parodontale Regeneration setzen oder augmentieren fürs Implantat? Sollte man Zähne grundsätzlich erhalten oder ist das Implantat manchmal die bessere Lösung? Das war das Thema von Dr. Tobias Thalmair und Dr. Michael Back beim "Duell der Disziplinen" und im exklusiven Video-Interview.

Teilen:
#
Dr. Stephan Rebele
Dr. Stephan Rebele hat in München Zahnmedizin studiert und ist in Dinkelsbühl niedergelassen.
#
Dr. Dennis Schaller
Nach dem Studium der Zahnmedizin in München und diversen Weiterbildungen Niederlassung in der Praxis für Zahnheilkunde Dres. Schaller in Planegg.