Universität Leipzig Campus Augustusplatz Neues Augusteum / Paulinum © Christian Hüller

Ein Zusammenhang zwischen rheumatoider Arthritis und Parodontitis wird seit vielen Jahren vermutet. Rheumatoide Arthritis und Parodontitis sind chronisch entzündliche Erkrankungen mit episodenartigem Verlauf und multifaktorieller Pathogenese, die mit einer Zerstörung von Hart- und Weichgewebe einhergehen. Mehrere Studien konnten bereits zeigen, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis häufiger an schweren Formen der Parodontitis leiden. Zudem schien sich eine Parodontitistherapie positiv auf den Verlauf der rheumatoiden Arthritis auszuwirken. Eine mögliche Ursache dieser Zusammenhänge wird in der Zusammensetzung des parodontalen Biofilms vermutet. Dem parodontalpathogenen Bakterium Porphyromonas gingivalis wird, aufgrund seiner Fähigkeit der Citrullinierung von Peptiden, eine Schlüsselrolle bei der gegenseitigen Beeinflussung beider Erkrankungen zugesprochen. Zyklische citrullinierte Peptide sind an der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis maßgebend beteiligt. Als Autoantigene verursachen sie die Produktion von Autoantikörpern verursachen. Bisherige Studien beschränkten sich meist auf eine kleine Anzahl von Individuen und untersuchten nicht sowohl parodontale als auch rheumatologische Parameter.

In dieser Studie sollten parodontale und mikrobiologische Parameter auf ihren Einfluss auf rheumatologische Parameter bei einer großen Zahl von Patienten mit rheumatoider Arthritis untersucht werden. 168 Patienten mit rheumatoider Arthritis und 168 gesunde Patienten  wurden in die Studie einbezogen. Beide Gruppen hatten eine vergleichbare Verteilung bezüglich des Alters, Geschlechts und Rauchergewohnheiten. Folgende rheumatologische Parameter wurden erhoben: Dauer der Erkrankung, Disease Activity Score 28 (DAS28), Rheumafaktor (RF), anti-zyklische citrullinierte Peptide (aCCP) und Medikation.

Zudem wurden folgende zahnmedizinische Parameter erhoben: fehlende Zähne (DMF-T Index), gingivale Entzündung (Papillen-Blutungs-Index, PBI), parodontaler Status (Sondierungstiefe, Attachmentverlust) und die Anwesenheit von 11 Parodontalpathogenen im subgingivalen Biofilm.

Ergebnisse und Konklusion

Der mittlere DMF-T-Wert war bei Patienten mit rheumatoider Arthritis signifikant höher als bei gesunden Patienten, insbesondere in Bezug auf fehlende Zähne. Auch parodontale Parameter waren bei Patienten mit rheumatoider Arthritis signifikant schlechter (höhere Sondierungstiefen, höherer Attachmentverlust). 98 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis – jedoch nur 82 Prozent der gesunden Patienten – waren an einer moderaten bis schweren Form der Parodontitis erkrankt. Es konnte kein signifikanter Unterschied  zwischen beiden Gruppen bezüglich der gingivalen Entzündung (PBI) festgestellt werden.

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Alina Winkelmann
Alina Winkelmann ist Zahnärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde in Bonn.