© PD Dr. Markus Schlee, Forchheim

PD Dr. Dr. Markus Schlee, Forchheim, ist bekannt für sein Konzept zur Explantation im Falle einer Periimplantitis – doch zeichnet sich hier ein Paradigmenwechsel ab. Explantationen könnten zukünftig der Vergangenheit angehören, denn schon bald steht ein neues schonendes Verfahren zur Entfernung des Biofilms auf Titanimplantaten zur Verfügung. Das von der GalvoSurge AG entwickelte Verfahren basiert auf einer Erfindung von Dipl.-Ing. Holger Zipprich. Weitere Erfindungen und Entwicklungen von Dr. Urs Brodbeck und PD Dr. Dr. Markus Schlee komplettierten das Verfahren zur klinischen Anwendbarkeit, das durch die Kooperation mit Nobel Biocare im kommenden Jahr den Weg in Praxen und Kliniken finden soll. „Bisherige Methoden, um Periimplantitis zu therapieren, wie die Anwendung von Air Flow, Cotton Pellets und NaCl, Titanbürsten, Laserbehandlung oder das Polieren der Oberflächen sind äußerst ernüchternd, denn damit gelingt es nicht, den Biofilm in einer Qualität zu entfernen, die Reosseointegration und Langzeitstabilität der befallenen Implantate ermöglicht. Mit den genannten Maßnahmen lässt sich nur die Keimmenge reduzieren. Zwar kommt der Knochen oftmals zurück, wächst aber meistens nicht an, sondern es bildet sich eine Tasche zwischen Implantat und Knochen, die sich wieder infiziert – das zeigen uns die wissenschaftlichen Daten. Deshalb haben wir nach einem anderen Therapieansatz gesucht“, resümierte Schlee. Der Unterschied zu den anderen Verfahren: Der Biofilm wird nicht mechanisch von außen abgetragen, sondern das Implantat wird über einen Duschkopf negativ aufgeladen und in Verbindung mit einer gesprühten Salzlösung penetrieren Natriumionen den Biofilm. Infolgedessen entsteht zwischen Biofilm und Implantat atomarer Wasserstoff, der den Biofilm letztendlich durch seine Blasenbildung auf der Implantatoberfläche nach außen wegdrückt. „Wir konnten in unseren In-vitro-Tests zeigen, dass kaum Bakterien überleben, sodass Reosseointegration im Tierversuch möglich war, zum Teil sogar über das Implantat hinaus“, erklärte Schlee. Ein weiteres Plus: Mit der Anwendung des Verfahrens wird eine hydrophile Oberfläche erzeugt, welche die Osseointegration des Implantats fordert. Das Verfahren kann unabhängig von Design und Oberflächenbeschaffenheit bei Titan-Implantaten aller Hersteller angewendet werden.

 

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Natascha Brand ist gelernte Zahntechnikerin, Fachredakteurin und Leiterin der Redaktion Zahnmedizin bei teamwork media.