Wie wird die Telematikinfrastruktur nun umgesetzt?
Die Vernetzung läuft in mehreren Phasen ab. Beim Basis-Rollout wurde zunächst die elektronische Gesundheitskarte (eGK) eingeführt, die seit Anfang 2015 als Nachweis des Anspruchs auf Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse gilt. Auf der eGK des Versicherten sind schon heute die Versichertenstammdaten gespeichert.

Als nächster Schritt ist geplant, dass diese Versichertenstammdaten online überprüft und aktualisiert werden können (Online-Rollout). Dafür ist die digitale Vernetzung, also Telematikinfrastruktur, erforderlich. Das System wurde seit Ende vorigen Jahres erprobt. Anders als geplant lief die Erprobung aber nur in einem der beiden Testgebiete und mit nur einem statt zwei Anbietern der benötigten Hardware. Lediglich in der Testregion Nordwest wurde das System einige Monate lang von etwa 500 Praxen und sechs Kliniken nachweislich erfolgreich getestet. Grund dafür ist, dass die Telekom-Tochtergesellschaft T-Systems es nicht schaffte, ihren Konnektor fristgemäß fertigzustellen. Dieser sollte in der zweiten Testregion Südost erprobt werden. So konnte lediglich der Konnektor der CompuGroup, die KoCoBox MED+, für die Erprobung genutzt und im Praxisalltag getestet werden. Während der Erprobung konnten über eine Million Kartenlesevorgänge durchgeführt werden.

„Das Sicherheitsniveau ist nach unserer Einschätzung eines der höchsten, die es in Deutschland, ja weltweit gibt. Das ist auch dadurch gegeben, dass das Zertifizierungsverfahren durch das BSI einen sehr hohen Standard hat. Was die Zertifizierung der Geräte angeht, sind wir bei der Sicherheitsstufe 5 – einer der höchsten. Die Geräte für Onlinebanking z. B. sind in der Regel auf Stufe 3. Das Sicherheitsniveau ist für die TI also bei Weitem höher“, sagt Uwe Eibich, Vorstand CompuGroup Medical AG. „Ursprünglich war für den Rollout einen Zeitraum von eineinhalb Jahren vorgesehen. Das haben wir immer als sportlich, aber machbar eingeschätzt. Dank der neuen Spezifikationen der gematik hat sich der Zeitraum zusätzlich verkürzt. Das mag nun auch das Ministerium dazu bewogen haben, die Frist zu verschieben. Die neue Deadline ist nun der 31.12.2018. Damit haben alle eine Chance, nicht in die Sanktionen hineinzulaufen. Aber dennoch muss man jetzt anfangen. Wir können daher allen Zahnärzten und Ärzten nur raten, mit der Planung zu beginnen und die Praxen rechtzeitig auszustatten“, so Eibich weiter.

Die Kartenterminals müssen genauso wie der Konnektor von der gematik zugelassen und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert werden.

Um eine Vielfalt im Markt zu erreichen, beauftragte die gematik die österreichische Firma „Research Industrial Systems Engineering” (RISE) GmbH damit, einen Konnektor für den bundesweiten Online-Produktivbetrieb zu entwickeln. Mit diesem zweiten Konnektor sei aber wegen des Ausschreibungsverfahrens nicht vor dem Ende des ersten Quartals 2018 zu rechnen.

Ursprünglich sollte mit dem Online-Rollout im Juli 2016 gestartet werden. Infolge des verzögerten Starts der Erprobungsphase (ORS1) wurde auch der Start des bundesweiten Flächenrollouts (OPB) – nach dessen erfolgreichem Abschluss in der Testregion Nordwest – durch die gematik zum 1. Juli 2017 erklärt.

Anfang Juni erteilten die Gesellschafter der gematik endlich die Freigabe für den Online-Produktivbetrieb. „Wir sind glücklich über diesen Meilenstein, der die Basis für den bundesweiten Rollout der Telematikinfrastruktur ist. Jetzt ist die Industrie am Zuge, ihre Produkte zur Zulassung einzureichen. Wir von der gematik stehen bereit“, sagt Alexander Beyer, Geschäftsführer der gematik. Dann wurde aber klar, dass der Online-Rollout unmöglich schon ab dem 1. Juli erfolgen kann. Der Grund: Aufgrund erneuter zusätzlicher Spezifikationsanforderungen an die Hersteller der TI-Komponenten Ende Juni 2017 werden die zur Produktion der Produkte benötigten Zulassungen zeitlich nach hinten wandern. Erst voraussichtlich ab Herbst 2017 sind die ersten zugelassenen Produkte auf dem Markt verfügbar. Erst dann können und müssen Ärzte und Zahnärzte die nötigen Geräte anschaffen und mit ihrer Praxis „ans Netz“ gehen.

Welche Kosten kommen auf die Praxen zu?
Die Kosten für die günstigste Erstausstattung, die der Markt bietet, und die Kosten für den Anschluss und laufenden Betrieb sollen von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden; zumindest für die günstigsten Kosten eines Standard-Erstausstattungspakets.

Uwe Eibich Vorstand CompuGroup Medical AG

Folgende Pauschalen wurden dafür im Juli 2017 festgelegt: Für einen Konnektor mit zugelassener QES-Funktion inklusive gSMC-K werden im dritten Quartal 2017 2620 Euro erstattet. Die Finanzierungspauschalen der Krankenkassen für den Konnektor werden pro Quartal um zehn Prozent sinken, da die gematik davon ausgeht, dass weitere Hersteller in den kommenden Monaten Geräte auf den Markt bringen werden und mit der größeren Auswahl an Geräten die Preise für die Konnektoren fallen werden.

Für das vierte Quartal 2017 ergibt sich daraus eine Rückerstattung von 2358 Euro; im ersten Quartal 2018 erhalten Zahnärzte noch eine Erstattung von 2122 Euro und im zweiten Quartal 2018 eine Rückerstattung von 1910 Euro. Ab dem dritten Quartal 2018 werden 720 Euro pro Konnektor erstattet.

Für das stationäre e-Health-Kartenterminal inklusive gSMC-KT werden 435 Euro, für ein mobiles Kartenterminal der Ausbaustufe 2 werden 350 Euro erstattet.
Darüber hinaus gibt es eine TI-Startpauschale in Höhe von 900 Euro für alle Kosten der Installation der Komponenten und Dienste inklusive Schulung, die Ausfallzeiten der Vertragszahnarztpraxis aufgrund der Einrichtung der Komponenten, die einmalige Integration der Komponenten in die Praxisverwaltungssysteme sowie den zeitlichen Aufwand, der durch die Einführung des Versichertenstammdatenmanagements in den Praxen entsteht.
Außerdem wird eine monatliche Betriebskostenpauschale von 100 Euro erstattet – und zwar vom dritten Quartal 2017 bis zum zweiten Quartal 2018 einschließlich. Ab dem dritten Quartal 2018 werden monatlich 83 Euro erstattet. Für die Betriebskosten des elektronischen Praxisausweises (Smartcard SMC-B) werden monatlich und für fünf Jahre 8 Euro und für die Betriebskosten des Heilberufsausweises (HBA) als Einmalzahlung für fünf Jahre 233 Euro erstattet.

Muss der Praxisbetreiber mit Strafen rechnen, falls er die Umstellung nicht rechtzeitig schafft?
Ja, das könnte passieren. Es drohen Honorarkürzungen, wenn die Onlineprüfung der eGK nicht rechtzeitig in der Praxis durchgeführt werden kann. Die Praxen müssen ein Prozent des Kassenhonorars abgeben.

Diese Regularien wurden durch das E-Health-Gesetz, das Ende 2015 eingeführt wurde, festgelegt. Die mehrfache Verschiebung des Online-Rollouts sorgt schon seit Monaten für Kopfschmerzen in der Selbstverwaltung. Diese befürchtet, dass nicht alle Praxen fristgerecht mit der richtigen Technik ausgestattet sind. Denn das E-Health-Gesetz sieht in diesem Fall auch Sanktionen für die Haushalte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und des GKV-Spitzenverbandes vor. Laut Ärztezeitung hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat Ende Juli die Frist für die Ausstattung der Praxen auf den 31. Dezember 2018 verschoben.

Doch auch die Fristverschiebung auf Ende Dezember 2018 genügt den Beteiligten nicht. Denn dadurch würde die Zeit für den Online-Rollout nur auf eineinhalb Jahre verlängert – das sei aber immer noch nicht ausreichend, auch vor dem Hintergrund, dass dieser ja bekanntlich nicht am 1. Juli 2017 begonnen hat. Dr. Karl-Georg Pochhammer, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der KZBV: „Derzeit geht die gematik davon aus, dass frühestens im Herbst ausreichend zugelassene Komponenten verfügbar sein werden. Damit haben wir de facto trotz Verlängerung nur ein gutes Jahr Zeit für die Umsetzung.“

Welche Schritte sind nach dem Online-Rollout geplant?
Mit der Telematikinfrastruktur geht das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement online. Danach sollen folgende Anwendungen schrittweise eingeführt werden, alle jedoch auf freiwilliger Basis:

  • Notfalldaten auf der Gesundheitskarte: Patienten haben die Möglichkeit, notfallrelevante Informationen auf ihrer Gesundheitskarte speichern zu lassen, beispielsweise über bestehende Medikationen oder Allergien. Im Notfall können Ärzte oder Notfallsanitäter auf diese Informationen zurückgreifen. Auch ein Hinweis auf das Vorhandensein einer Patientenverfügung und/oder einer Organspendeerklärung soll auf der Karte vermerkt werden.
  • Sichere Kommunikation zwischen behandelnden (Zahn-)Ärzten: Dank Einführung der sicheren Kommunikation können Befunde digital, sicher und kompatibel zwischen Ärzten verschickt werden.
  • Die elektronische Fallakte (EFA): Die elektronische Fallakte ermöglicht eine einrichtungsübergreifende Behandlungsdokumentation zu einem Patienten, wenn mehrere Einrichtungen oder Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam fallbezogen in die Behandlung eines Patienten eingebunden sind.
  • Arzneimitteltherapiesicherheit und E-Medikationsplan: Damit können alle Medikations-, Arzneimittelverordnungs- und Therapievorschlagsdaten für einen Patienten dokumentiert werden. Der behandelnde Arzt bzw. der Apotheker erhalten so einen Überblick über die Arzneimittel, die der Patient einnimmt.

KZBV bringt Infobroschüre heraus

In der ausführlichen Infobroschüre „Anbindung an die Telematikinfrastruktur„, die kürzlich von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) herausgebracht wurde, erhalten Praxisinhaber noch einmal alle relevanten Informationen auf einem Blick.

Weitere Informationen zu der Broschüre finden Sie hier.

Die Broschüre kann auf Seiten der KZBV oder auch hier direkt als PDF heruntergeladen werden:

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mm
Ist Volontärin in der Redaktion Medizin/Zahnmedizin beim Deutschen Ärzteverlag.