Lohnt es sich für Zahnärzte finanziell, Genossenschaften zu gründen? Steuerexperte Dr. Jens-Peter Damas erklärt Details.
Lohnt es sich für Zahnärzte finanziell, Genossenschaften zu gründen? Steuerexperte Dr. Jens-Peter Damas erklärt Details. © Pixabay

Dr. Damas ist von der Steuerberaterkanzlei Wilde und Partner, Bergisch Gladbach. In unserer Serie geben die Experten dieser Kanzlei Zahnmedizinern jede Woche Tipps rund um Steuerberatung, Recht, Finanzen und Betriebswirtschaft. Mehr über die Serie und die Experten erfahren Sie unten im Artikel. In dieser Folge geht es darum, ob es sich für Zahnmediziner aus steuerlicher Sicht überhaupt lohnt, Genossenschaften zu gründen.

Lesen Sie auch: Tätigkeitsverbot oder Quarantäne wegen Corona: FAQ und Checkliste für Zahnärzte

Der Sinn der Genossenschaft besteht darin, den Genossen Leistungen der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen, der Fachausdruck hierfür ist Mitgliedergeschäft. Die Protagonisten des Genossenschaftsmodells haben folgenden Gedanken: Der Zahnarzt gründet zusammen mit zwei weiteren Genossen, es müssen mindestens drei sein, eine Genossenschaft und verlagert bestimmte betriebliche Funktionen aus der Zahnarztpraxis in diese Genossenschaft, um einen Teil des Praxisgewinns in der Genossenschaft zu versteuern, zum Beispiel Labor, Abrechnungsleistungen etc.

Unterstellen wir einmal, dass dies so funktioniert, so haben wir hierdurch noch keinen Steuervorteil erzeugt, denn die Genossenschaft muss den auf ihrer Seite anfallenden Gewinn mit Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer versteuern, also mit etwa 30 Prozent. Und im Fall der Ausschüttung dieses Gewinns an die Genossen fiele noch einmal Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag an.

Die kreative Idee liegt nun darin, den in die Genossenschaft verlagerten Praxisgewinn der privaten Vermögensverwendungsebene durch kostenlose Dienst- und Sachleistungen zuzuführen, zum Beispiel durch Ferienhaus, Luxusreisen, Oldtimersammlung etc. Gesellschaftsrechtlich wäre dies auch möglich.

Da alle Ausgaben einer Körperschaft, wie der Genossenschaft, als Betriebsausgaben gelten, hört sich der Gedanke im ersten Schritt gar nicht so schlecht an. Allerdings muss man wissen, dass Vermögensverschiebungen hin zum Genossen dann steuerlich nicht anerkannt werden, wenn es sich um sogenannte verdeckte Gewinnausschüttungen handelt. Der Bundesfinanzhof urteilt in ständiger Rechtsprechung, dass Zuwendungen der Genossenschaft an die Genossen aus dem Mitgliedergeschäft eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen, wenn nicht mindestens die Selbstkosten der Genossenschaft in Ansatz gebracht werden. Damit wäre uns allerdings nicht geholfen, denn der steuerliche Vorteil ergibt sich nur, wenn die Genossenschaft Dienst- oder Sachleistungen kostenlos oder wenigstens wesentlich vergünstigt abgibt.

Die Protagonisten des Genossenschaftsmodells wollen nun die Dienst- oder Sachleistungen für die private Ebene aber gerade nicht als Teil des Mitgliedergeschäfts auskehren, sondern über eine Entscheidung der Generalversammlung außerhalb des Mitgliedergeschäfts. Richtig ist, dass für solche Vermögenszuwendungen außerhalb des Mitgliedergeschäfts keine einschlägige steuerliche Rechtsprechung vorliegt. Dies ist vermutlich deshalb der Fall, weil solche Zuwendungen genossenschaftsrechtlich eigentlich gar nicht vorgesehen sind.

Aus dem Umstand, dass es eine einschlägige Rechtsprechung nicht gibt, zu folgern, dass diese Zuwendungen steuerfrei seien, ist allerdings höchst fernliegend. Im Steuerrecht ist es in vielen Bereichen so, dass keine Rechtsprechung in einem konkreten Fall besteht, sodass man diese Fälle über die allgemeinen Grundsätze löst. Steuerberater und Rechtsanwälte sind geschult, mit diesen nicht ganz eindeutigen Rechtslagen umzugehen.

In Bezug auf das Genossenschaftsmodell ist kein Grund ersichtlich, warum die allgemeinen Grundsätze der verdeckten Gewinnausschüttung hier keine Anwendung finden sollten. Ganz im Gegenteil: Wenn bereits das Mitgliedergeschäft mindestens die Abgabe zum Selbstkostenpreis voraussetzt, so muss dies konsequenterweise im Bereich außerhalb des Mitgliedergeschäftes ebenso sein.

Wenn der Finanzverwaltung alle Umstände vorliegen, dann ist kaum vorstellbar, dass diese nicht selbstverständlich eine verdeckte Gewinnausschüttung annehmen wird und damit das Steuermodell ohne Begünstigungseffekt – also sinnlos – bleibt. Lediglich dann, wenn man der Steuerverwaltung die Umstände nicht oder nicht vollständig offenlegt, kann es eine gewisse Zeit lang unauffällig bleiben, bis es eine Betriebsprüfung bei der Genossenschaft gibt. Hier muss man sich dann allerdings die Frage stellen lassen, inwieweit das Verschweigen des wahren Sachverhalts nicht steuerstrafrechtlich relevant ist.

Als Resümee lässt sich sagen: Das Genossenschaftsmodell in oben beschriebener Form ist nicht deshalb bis vor kurzem recht unbekannt gewesen, weil es so brillant ist, sondern allein deshalb, weil es sehr fernliegend ist. Gleichwohl ist es aber natürlich immer nützlich, neue Ideen zu entwickeln und diese steuerlich durchzuprüfen, denn nur wer proaktiv und kreativ denkt, kann das Steuersparpotenzial auch ausschöpfen. Bei Immobiliengenossenschaften zum Beispiel hat es über lange Jahre eine geradezu unglaubliche Steuersparmöglichkeit gegeben, die erst Anfang 2020 durch eine Gesetzesänderung geschlossen wurde.

Dr. Jens-Peter Damas

Bisherige Folgen unserer Serie:

Unsere Serie

Expertentipps für Zahnärzte rund um Steuern, Finanzen, Recht und Betriebswirtschaft

Zahnärzte sind auch Unternehmer. So haben sie häufig mit Fragen rund um die Themen Steuerberatung, Recht, Finanzen und Betriebswirtschaft zu tun. Bei uns gibt es wöchentlich wertvolle Tipps zu diesen Themen. Dafür arbeiten wir mit Experten der Steuerberaterkanzlei Wilde und Partner und des Dienstleisters für Praxisentwicklung, m-dens, zusammen. Die Kanzlei ist mit über 600 Mandanten aus dem Bereich der Heilberufe eine der führenden Steuerberaterkanzleien für Ärzte und Zahnärzte in Deutschland. „Wie für Sie in der Zahnmedizin ist auch für uns als Steuerberater Spezialisierung wichtig und für unsere Mandanten ein enormer Vorteil. Im Vergleich zu unspezialisierten Kanzleien sind unsere Abläufe perfekt auf Ihre Bedürfnisse angepasst und das spezifische Branchenwissen hilft uns jeden Tag.“ m-dens ist eine bundesweit tätige Unternehmensberatung im Gesundheitsmarkt. Die Experten beraten Zahnärzte in allen Praxisphasen bei strategischen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen.

Artikelempfehlungen

Teilen:
#
Wilde und Partner, Steuerberaterkanzlei
Wilde und Partner ist eine Steuerberaterkanzlei aus Bergisch Gladbach. Mit über 600 Mandanten aus dem Bereich der Heilberufe ist Wilde und Partner eine der führenden Steuerberaterkanzleien für Ärzte und Zahnärzte in Deutschland.