Digitalisierung der Zahnarztpraxis: Der Staat fördert bestimmte Investitionen in Technologie und Weiterbildung von Mitarbeitern.
Digitalisierung der Zahnarztpraxis: Der Staat fördert bestimmte Investitionen in Technologie und Weiterbildung von Mitarbeitern. © Pixabay

Der Experte ist Ingo Melson vom Dienstleister für Praxisentwicklung m-dens. Er und die Steuerberaterkanzlei Wilde und Partner, Bergisch Gladbach, geben in unserer neuen Serie Zahnmedizinern jede Woche Tipps rund um Steuerberatung, Recht, Finanzen und Betriebswirtschaft. Mehr über die Serie und die Experten erfahren Sie unten im Artikel. In dieser Folge geht es um staatliche Förderung der Digitalisierung in Praxen.

Bisherige Folgen unserer Serie:

Digitalisierung hat für 70 Prozent der Praxisinhaber hohe Priorität

Ingo Melson, m-dens
Ingo Melson, m-dens
Die Digitalisierung der eigenen Praxis steht laut einer aktuellen Umfrage für knapp 70 Prozent der Praxisinhaber ganz oben auf der Agenda. Gleichzeitig ist das Thema mit vielen Unsicherheiten verbunden. Das beginnt bereits mit der Fragestellung, was eigentlich unter der digitalen Praxis zu verstehen ist. Für den einen ist es die neue Praxis-Homepage, für den nächsten bedeutet es den Einsatz von Intraoralscanner & Co. und ein anderer wiederum versteht darunter die Automatisierung der Patientenkommunikation oder die digitale Wertschöpfung innerhalb der Therapiekette.


Unabhängig davon, wie der persönliche Fokus auf die Digitalisierung ist, ist eines ganz sicher: Digitale Technologien und die digitalen Kompetenzen von Mitarbeitern werden in Zukunft eine wachsende Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit von Praxen bekommen. Daher ist für jeden Praxisinhaber essentiell, sich bereits heute mit diesem Thema unter strategischen Aspekten zu beschäftigen.

Zwei Module für Förderung

Der Staat bietet in diesem Zusammenhang attraktive Förderprogramme, zum Beispiel „Digital jetzt“. Spannend bei diesem Programm ist, das sowohl die Investition in Technologien gefördert wird als auch die Qualifizierung von Mitarbeitern. Daraus ergeben sich zwei Module:

Modul 1: Investitionen in digitale Technologien und damit verbundene Prozesse und Veränderungen oder Anpassungen in der Zahnarztpraxis werden gefördert. Das Vorhaben ist bei der Antragstellung zu konkretisieren. Beispielsweise kann es sich um Hardware oder Software handeln, die zur internen und externen Vernetzung beitragen. Konkret können das Anwendungen im Bereich 3-D-Druck, IT-Sicherheit, Datenschutz oder datengetriebene Geschäftsmodelle sein.

Modul 2: Es bietet die Möglichkeit von Mitarbeiter-Qualifizierung im Umgang mit den entsprechenden Technologien.

Die Förderhöhe ist abhängig von der Mitarbeiterzahl und dem jeweiligen Modul. Praxen mit bis zu 50 Mitarbeitern können eine Grundförderung von derzeit 50 Prozent (ab 1. Juli 2021 sind es 40 Prozent) der Investitionskosten, maximal 50.000 Euro erhalten. Die Mindestfördersumme muss allerdings 17.000 Euro betragen.

Im Modul 2 beträgt die Mindestfördersumme im Rahmen der Qualifizierung von Mitarbeiter 3000 Euro. Zusatzförderungen in Höhe von zehn Prozent sind möglich, wenn sich der Praxisstandort in einem strukturschwachen Gebiet befindet. Um zusätzliche fünf Prozent kann die Förderung erhöht werden, wenn in IT-Sicherheit investiert wird.

Wichtig: ein Digitalisierungsplan

Entscheidend für die Gewährung der Förderung ist in jedem Fall ein Digitalisierungsplan. Darin ist das gesamte Digitalisierungsvorhaben zu beschreiben. In dem Plan ist der aktuelle Stand der Digitalsierung detailliert darzulegen und welche Ziele mit der Umsetzung erreicht werden sollen. Ebenso gehören die Art und Anzahl von Qualifizierungsmaßnahmen dazu.

Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte die Förderfähigkeit im Vorfeld genauer geprüft werden. So gibt es diverse Themen, die von der Förderung ausgeschlossen sind. Dazu gehören Standardhardware und -software, die nicht direkt im Bezug zum Digitalisierungsvorhaben oder den Förderzielen stehen, ebenso wie Ersatz- und Routine-Investitionen – zum Beispiel in zusätzliche Computer für eine wachsende Mitarbeiterzahl oder Updates von Software ohne grundlegende neue Funktionen.

Für Praxisgründer wichtig: Auch die erstmalige Grundausstattung mit Informations- und Kommunikationstechnologie ist nicht förderfähig.

Aufgrund der großen Nachfrage für das Förderprogramm „Digital jetzt“ wurde das Antragsverfahren inzwischen modifiziert. Die Möglichkeit der Registrierung ist jetzt dauerhaft möglich. Um maximale Transparenz und Chancengleichheit zu gewährleisten, werden die Registrierungen nun per Zufallsverfahren zu einem festgelegten Datum bis zur Erschöpfung der jeweils monatlich verfügbaren Haushaltsmittel ausgelost. Ausgeloste Registrierungen können dann einen Antrag einreichen.

Vier Tipps für Antragsteller:

  • Stellen Sie den Antrag rechtzeitig vor dem Start Ihres Digitalisierungsvorhabens.
  • Erarbeiten Sie einen konkreten Digitalisierungsplan.
  • Prüfen Sie, ob Sie eventuell eine erhöhte Förderquote beantragen können. Das ist beispielsweise bei Investitionen in die IT-Sicherheit der Praxis möglich.
  • Machen Sie sich bereits im Vorfeld Gedanken dazu, ob die Kombination beider Fördermodule (Investition in Technologie und Weiterbildung) sinnvoll sein kann.

Fazit

Die Digitalisierung von Praxisprozessen sollte keineswegs ausschließlich von eventuellen finanziellen Förderungen abhängig gemacht werden. Die Möglichkeiten zur Finanzierung von digitalen Entwicklungsschritten sind vielfältig und das Programm Digital jetzt ist und nur eine Möglichkeit.
Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter voranschreitet und Praxisinhaber frühzeitig einen individuellen Plan entwickeln sollten, um von dieser Entwicklung nicht abgehängt zu werden.

Auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gibt es noch mehr Informationen über das Förderprogramm Digital jetzt.

Von Ingo Melson, m-dens

Unsere Serie

Expertentipps für Zahnärzte rund um Steuern, Finanzen, Recht und Betriebswirtschaft

Zahnärzte sind auch Unternehmer. So haben sie häufig mit Fragen rund um die Themen Steuerberatung, Recht, Finanzen und Betriebswirtschaft zu tun. Bei uns gibt es wöchentlich wertvolle Tipps zu diesen Themen. Dafür arbeiten wir mit Experten der Steuerberaterkanzlei Wilde und Partner und des Dienstleisters für Praxisentwicklung, m-dens, zusammen. Die Kanzlei ist mit über 600 Mandanten aus dem Bereich der Heilberufe eine der führenden Steuerberaterkanzleien für Ärzte und Zahnärzte in Deutschland. „Wie für Sie in der Zahnmedizin ist auch für uns als Steuerberater Spezialisierung wichtig und für unsere Mandanten ein enormer Vorteil. Im Vergleich zu unspezialisierten Kanzleien sind unsere Abläufe perfekt auf Ihre Bedürfnisse angepasst und das spezifische Branchenwissen hilft uns jeden Tag.“ m-dens ist eine bundesweit tätige Unternehmensberatung im Gesundheitsmarkt. Die Experten beraten Zahnärzte in allen Praxisphasen bei strategischen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen.

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Ingo Melson, m-dens
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