Agenturen für Arbeit verweigern laut BZÄK Anträge auf Kurzarbeitergeld für zahnärztliche Praxismitarbeiter.
Agenturen für Arbeit verweigern laut BZÄK Anträge auf Kurzarbeitergeld für zahnärztliche Praxismitarbeiter. © Pixabay

Zahnarztpraxen müssen geschützt werden. Und es müssen klare Regeln für das Kurzarbeitergeld für Praxismitarbeiter geschaffen werden. Das fordert die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) von der Bundesregierung, nachdem die den geplanten Rettungsschirm für Zahnärzte in ein Hilfsangebot in Kreditform umwandelte. Die erheblichen Einnahmeverluste bei hohen weiterlaufenden Betriebsausgaben und immensen Investitionskosten könnten viele Praxen nicht länger schultern, schreibt die BZÄK. Insbesondere für junge Praxen mit hohen Krediten werde die Situation mittlerweile existenzbedrohend.

„Bislang waren finanzielle Hilfen im Gesundheitsbereich nur für Vertragsärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen verankert, die Zahnmedizin wurde hier vergessen. Alle Hoffnungen ruhten auf der lange diskutierten SARS-CoV-2-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Zahnärzten und Heilmittelerbringern sichern wollte. Mit der nun von der Bundesregierung beschlossenen endgültigen Fassung werden aber auch diese Hoffnungen zerschlagen“, sagt BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

Verluste durch Mehrarbeit ausgleichen?

„Statt echter Hilfen wird den Zahnärzten lediglich ein Kredit zugedacht – verbunden mit der fast schon zynischen Begründung, Zahnärzte könnten ihre Verluste doch im Laufe des Jahres durch Mehrarbeit wieder ausgleichen. Das ist eine Wette auf die Zukunft zu Lasten der Kollegenschaft, die auch in der Krise bereit ist, ihren Patienten zur Seite zu stehen.“

Agenturen für Arbeit verwehren Anträge auf Kurzarbeitergeld

„Absurderweise verwehren die Agenturen für Arbeit nun zudem Anträge auf Kurzarbeitergeld für die zahnärztlichen Praxismitarbeiter mit der Begründung, Ärzte bekämen bei einem Honorarausfall von mehr als zehn Prozent ja Ausgleichzahlungen. Dies ist falsch, denn ein Anspruch für Vertragszahnärzte existierte und existiert nicht. Die Praxen benötigen eine zeitnahe und klare Regelung, denn sie spüren die hohe Umsatzminderung besonders, weil die Zahnmedizin ausstattungs- und personalintensiv ist.“

Fixkosten von 10.000 bis 20.000 Euro pro Monat

Laufende Kosten wie Miete, Raten für Geräte, Hygienekosten, Materialien und Ausstattung beliefen sich oft auf Fixkosten von 10.000 bis 20.000 Euro pro Monat, je nach Lage und Größe. Die Neugründung einer Einzelpraxis koste zudem durchschnittlich 598.000 Euro, die überwiegend kreditfinanziert sei. Zahnarztpraxen hätten außerdem durchschnittlich vier bis fünf Mitarbeiter mit entsprechenden Lohnkosten. Der nun beschlossene weitere Kredit helfe also nicht weiter.

„Der Rückgang des Arbeitsaufkommens in den Zahnarztpraxen liegt laut einer repräsentativen Befragung von 950 Zahnarztpraxen bei über 50 Prozent, zwischen 48 und 86 Prozent der befragten Praxen mussten Kurzarbeit beantragen. Wird nicht endlich gegengesteuert, droht etlichen Praxen die Insolvenz beziehungsweise frühzeitige Aufgabe. Dann stehen neben den Arbeitsplätzen in den Praxen selbst auch etliche Arbeitsplätze im Zahntechnikerhandwerk, in Dentalhandel und Industrie auf dem Spiel. Es besteht die Gefahr, dass ein irreparabler Schaden für die Versorgung der Bevölkerung entsteht“, sagt Engel.

Positives Beispiel

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Etwa die, dass Zahnärzte ihre Betriebe wieder hochfahren. Wie Dr. Derk Siebers aus Berlin. Hier erzählt er, wie er vorgegangen ist, aber auch, dass der Praxisalltag künftig ein anderer sein wird als früher. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es zudem keinen Grund mehr, Behandlungen zu verschieben, sagt die Neue Gruppe.

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