Coronavirus: Auf was Zahnarztpraxen achten müssen
Coronavirus: Auf was Zahnarztpraxen achten müssen © Vektor Kunst/Pixabay

Wichtige Informationen, Hinweise und Empfehlungen zum Thema Coronavirus, an denen sich Zahnärzte orientieren können, sind von verschiedenen Institutionen herausgegeben worden: der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), dem Robert-Koch-Institut (RKI), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.

Hier eine Themenauswahl:

Behandlungspflicht

Ein Zahnarzt ist laut Bundeszahnärztekammer nur verpflichtet, einen Patienten zu behandeln, wenn ein Notfall besteht – zum Beispiel, wenn dem Patienten ohne Behandlung gesundheitlicher Schaden droht.
Eine Infektionskrankheit sei in der Regel kein Grund, einen Notfall-Patienten abzulehnen. Denn wer Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen einhalte, sei im Normalfall vor einer Infektion geschützt.
Wenn die nötigen Arbeitsschutzmittel allerdings nicht zur Verfügung stehen, wird es komplizierter. Die Bzäk schreibt: “Die Frage, ob eine Behandlungspflicht von an COVID 19 erkrankten Notfall-Patienten besteht, muss mithin am konkreten Einzelfall unter Abwägung der Ansteckungsrisiken auf der einen Seite und dem Grad des Notfalls (strengste Indikationsstellung) auf der anderen Seite beantwortet werden.”

Wenn ein infizierter Patient in Lebensgefahr schwebe und eine Praxis mit nötiger Ausstattung nicht schnell genug erreichbar sei, “kann ein Zahnarzt verpflichtet sein, Ansteckungsrisiken einzugehen”.
Ist ein Notfall weniger schwerwiegend, ist eine andere Praxis mit der nötigen Schutzausrüstung gut erreichbar, “kann sich das Ansteckungsrisiko durch COVID 19 als unzumutbar darstellen.”

Auf jeden Fall müsse sich der Zahnarzt darum kümmern, dass der Patient behandelt wird.

Wenn ein Patient glaubt, mit SARS-CoV-2 infiziert zu sein

Die BZÄK rät: “Elektive Behandlungen sollten um mindestens zwei Wochen verschoben werden. Der Patient soll zudem aufgefordert werden, sich über die Servicenummer der Kassenärztlichen Vereinigungen 116117 oder telefonisch bei seinem Hausarzt zum weiteren Vorgehen beraten zu lassen.” Steht der Patient bereits in der Praxis und spricht den Verdacht aus, dass er infiziert ist, “sollte ein Kontakt vermieden und gegebenenfalls ein Mund-Nasen-Schutz überreicht werden. Der Patient sollte möglichst keine weiteren Räume (Wartezimmer) betreten”.

Was ist zu tun, wenn ein infizierter Patient in der Praxis war?

Hier gibt es verschiedene Kategorien, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen werden (hier die detaillierten Informationen):
Kategorie I: Höheres Infektionsrisiko. Hatte Personal ohne Schutzausrüstung engen Kontakt zum Patienten, also gleich oder weniger als zwei Meter Abstand, wird eine 14-tägige Quarantäne empfohlen. Das Gleiche gilt für Kategorie II mit erhöhtem Expositionsrisiko (Aerosolexposition).
Kategorie II: Geringeres Infektionsrisiko. Sie gilt, wenn Personal ohne adäquate Schutzbekleidung im selben Raum mit einem infizierten Patienten war, sich ihm aber nicht näher als zwei Meter genähert hat. Ist das Expositionsrisiko erhöht (Aerosolexposition), wird eine 14-tägige Quarantäne empfohlen. Ist es gering und zeigt das Personal keine für Corona typischen Symptome, muss es nicht in Quarantäne und nicht regelmäßig untersucht werden. Die Einschätzung, ob das Expositionsrisiko erhöht oder gering ist, muss das Gesundheitsamt treffen.
Kategorie III: Personal, dass gleich oder weniger als zwei Meter Abstand zum infizierten Patienten hatte, aber empfohlene Schutzkleidung trug. Hier werden keine Quarantäne und regelmäßigen Untersuchungen empfohlen, wenn das Personal keine Symptome zeigt.
Detaillierte Informationen dazu finden Sie hier beim Robert-Koch-Institut.

Hygieneplan und -leitfaden für Zahnarztpraxen

Hygiene in der Praxis ist elementar. Und in Zeiten des Coronavirus rückt sie noch mehr in den Fokus. Die Bundeszahnärztekammer und der Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) haben einen Hygieneplan herausgegeben, der individualisiert und heruntergeladen werden kann.

  • Hier geht es zum Hygieneplan.
  • Hier wird erklärt, wie der Hygieneplan individualisiert werden kann.
  • Auf derselben Seite sind Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu finden und ein
  • Hygieneleitfaden des DAHZ.
  • Detailliertes Protokoll: So sollte eine Praxis bei Behandlung von Infizierten vorgehen

    Das Institut der Deutschen Zahnärzte hat eine Standardvorgehensweise für Zahnarztpraxen zur Behandlung von SARS-CoV-2-Patienten veröffentlicht, die Schritt für Schritt die Aufgaben von Arzt und ZFA beschreibt. Hier geht es zu der Seite.

    Ansteckungsrisiko minimieren

    Arbeitsschutzmaßnahmen zum Infektionsschutz sollen das Ansteckungsrisiko für Beschäftigte im Gesundheitswesen minimieren. Sie sind in den „Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA)“ festgelegt.

    Mangel an Arbeitsschutzmitteln

    Mangelt es einer Praxis an Arbeitsschutzmittel n, kann sie Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen nicht einhalten. Dann sollte sie Patienten anrufen und prüfen, ob mit Schmerzmitteln und Antibiotika 14 Tage überbrückt werden können und eine Behandlung so verschoben werden kann, rät die BZÄK.

    Zahnmedizinische Notfallzentren

    Ob zahnmedizinische Notfallzentren eingerichtet werden, wird auf Länderebene entschieden. Die Landeszahnärztekammern können darüber Auskunft erteilen. Hier die Kontaktdaten.

    Liste mit Kontaktdaten von KZV und LZK

    Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat eine Liste mit Kontaktdaten zu Kassenzahnärztlichen Vereinigungen und Landeszahnärztekammern erstellt, bei denen Fragen rund um das Coronavirus gestellt werden können. Denn „viele konkrete Fragestellungen sind landesspezifisch“, schreibt die KZBV: Kontaktliste.

    FAQ zum Coronavirus

    Noch mehr Informationen für Zahnärzte zum Coronavirus gibt es von der Bundeszahnärztekammer unter ihren FAQ.

    Von Praxis-Entschädigung bis zu arbeitsrechtlichen Fragen

    Die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg hat das Thema Coronavirus in drei Themen unterteilt:

  • Umgang in der Zahnarztpraxis
  • Arbeitsrechtliche Problemstellungen: Hier geht es unter anderem um Betriebsrisiko von Praxisinhabern, Freistellung und Auskunftspflicht.
  • Behördliche Maßnahmen: Entschädigung
  • Kurzarbeitergeld

    Um Entlassungen zu vermeiden und damit Unternehmen nach der Krise wieder durchstarten können, hat die Regierung die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld erleichtert. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schreibt:

  • Es reicht, wenn 10 Prozent der Beschäftigten eines Betriebes von Arbeitsausfall betroffen sind, damit ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen kann. Sonst muss mindestens ein Drittel der Beschäftigten betroffen sein.
  • Sozialversicherungsbeiträge werden bei Kurzarbeit von der Bundesagentur für Arbeit vollständig erstattet.
  • Kurzarbeitergeld ist auch für Beschäftigte in Zeitarbeit möglich.
  • In Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten verzichtet.
  • Diese Erleichterungen werden rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft treten und auch rückwirkend ausgezahlt. Ansprechpartnerin ist die Agentur für Arbeit vor Ort.

    Mehr Details über Kurzarbeitergeld in Zahnarztpraxen hat die Bundeszahnärztekammer zusammengefasst.

    Flussschema: Verdachtsabklärung und Maßnahmen

    Das Robert-Koch-Institut hat ein Flussschema herausgegeben – Stand: 12. März, das als Orientierungshilfe für Ärzte zur Abklärung eines Verdachts auf COVID-19 dienen soll – mit Hinweisen zu Hygiene, Meldung und Diagnostik sowie zur weiteren Vorgehensweise bei einem laborbestätigten COVID-19-Fall.

    Veranstaltungen abgesagt

    Wegen des Coronavirus sind etliche Veranstaltungen der Dentalbranche verschoben oder abgesagt worden.

  • Am Donnerstag, 19. März, teilte die DGI mit, alle Veranstaltungen mit Datum bis einschließlich 30. Juni 2020 auf einen noch zu bestimmenden Zeitpunkt verschieben zu müssen.
  • Das ITI World Symposium 2020 in Singapur wurde auf 2021 verschoben
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    Andreas Berger
    Redakteur im Verlag teamwork media.