Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli 2020 wegen des coronabedingten Wirtschaftseinbruches: Darauf sollten Zahnärzte achten.
Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli 2020 wegen des coronabedingten Wirtschaftseinbruches: Darauf sollten Zahnärzte achten. © Pixabay

Aus den 19 Prozent werden 16 Prozent Mehrwertsteuer. Und aus den 7 Prozent werden 5 Prozent. Die Senkung der Mehrwertsteuersätze gilt zeitlich begrenzt vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020. Danach sind wieder die alten Steuersätze anzuwenden. Worauf Zahnärzte achten sollten, erklären hier die Experten der Steuerberaterkanzlei Wilde und Partner. Sie ist mit über 600 Mandanten aus dem Bereich der Heilberufe eine der führenden Steuerberaterkanzleien für Ärzte und Zahnärzte in Deutschland.

Eines sei klar: Die Umstellung verursache bei allen Betroffenen einen erheblichen Verwaltungsmehraufwand mit Zusatzkosten.

Mehrwertsteuersätze im Praxisverwaltungssystem / Faktura umstellen

Die Experten empfehlen: „Stellen Sie sicher, dass die neuen Mehrwertsteuersätze rechtzeitig in der Praxisverwaltungssoftware beziehungsweise Faktura umgestellt sind. Testen Sie an einem Probepatienten, ob alles richtig funktioniert.“

Relevant sind insbesondere Leistungen der Prothetik (7 bzw. 5 Prozent) und ästhetische Leistungen, zum Beispiel Bleaching (19 bzw. 16 Prozent).

Abgrenzungskriterium: Zeitpunkt der Leistung

„Für die Anwendung des zutreffenden Steuersatzes kommt es auf den Zeitpunkt der Leistungsausführung an. Zur korrekten Ermittlung der Mehrwertsteuer muss damit immer festgestellt werden, wann die Leistung ausgeführt worden ist.
• Behandlungen als Dienstleistungen sind im Zeitpunkt ihrer Vollendung ausgeführt.
• Lieferungen von Gegenständen (zum Beispiel Prothetik) gelten dann als ausgeführt, wenn der Leistungsempfänger die Verfügungsmacht an dem Gegenstand erworben hat. Das wird in der Regel gegeben sein, wenn der Zahnersatz dem Patienten übergeben beziehungsweise eingesetzt wird, so dass er nachfolgend bei ihm (im Körper) verbleibt.

Diese Grundsätze gelten auch für Teilleistungen und Anzahlungen. Auch in diesen Fällen kommt es also auf den Zeitpunkt der Leistungserbringung an.

Hinweis: Achten Sie besonders beim Schreiben der Rechnungen im Juli 2020 beziehungweise Januar 2021 darauf, auf welchen Leistungszeitpunkt sich die Rechnung bezieht. Bei einer Juli-Rechnung für Leistungen im Juni sind noch 19 beziehungsweise 7 Prozent zu berechnen, bezieht sich die Rechnung aus dem Juli dagegen auf eine Leistung ebenfalls aus Juli, kommen bereits die abgesenkten Mehrwertsteuersätze zum tragen.

Bei Dauerleistungen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (zum Beispiel Leasingvertrag), muss abgegrenzt werden, ob der Unternehmer Teilleistungen ausführt. Erbringt der Unternehmer Teilleistungen, gelten für den Zeitpunkt der Teilleistungsausführung ebenfalls die oben genannten Grundsätze. Bei Miet- und Leasingverträgen wird in der Regel nach Monaten abgegrenzt.

Ein zu hoher Ausweis des Mehrwertsteuersatzes bei Ausgangsrechnungen führt dazu, dass nach § 14c UStG der unrichtig erhaltene Mehrbetrag (3 beziehungsweise 2 Prozent Differenz) an die Finanzverwaltung zu überweisen ist. Der Patient kann (wenn ihm der Fehler auffällt) eine Rechnungskorrektur verlangen.

Prüfen Sie auch die Eingangsrechnungen

Das der Praxisinhaber sicherstellen muss, dass die Ausgangsrechnungen den korrekten Mehrwertsteuersatz enthalten, erschließt sich sofort. Aber auch die Eingangsrechnungen müssen geprüft werden. Hat ein Lieferant / Vertragspartner (zum Beispiel ein Fremdlabor) 19 Prozent Mehrwertsteuer ausgewiesen, für die ab dem 1. Juli erfolgte Lieferung wären aber korrekt nur 16 Prozent zu berechnen gewesen, dann darf als Vorsteuer auch nur die gesetzliche Umsatzsteuer in Höhe von 16 Prozent geltend gemacht werden. Wird die Rechnung nicht korrigiert, bleibt die Praxis auf 3 beziehungsweise 2 Prozent sitzen und die Kosten erhöhen sich unnötig. Besonders fehleranfällig sind Dauerrechnungen (beispielsweise Leasinggegenstände und Serviceverträge).“

Hier gibt es weitere Tipps unserer Experten für Zahnarztpraxen zum Thema Corona: Coronakrise: Vorsicht bei der Soforthilfe

Haben Sie Fragen, die die Coronakrise und deren Auswirkungen auf Ihre Praxis betreffen, schreiben Sie uns gern per Mail an a.berger@teamwork-media.de – Die Experten der Kanzlei Wilde und Partner antworten.

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